Walter Häge: Die Orgontherapie nach Dr. Wilhelm Reich

Die charakterliche Panzerung

Da Wilhelm Reichs Krankheitsansatz so völlig anders ist als das, was wir normalerweise unter Krankheit verstehen, müssen wir, wenn wir die Orgontherapie beschreiben wollen, dort beginnen, wo Krankheit ihren Ursprung hat, bei der Seele des Menschen – genauer bei der Differenzierung des menschlichen Charakters.

Schon sehr früh beginnt sich bei der Menschwerdung der Charakter des einzelnen Menschen zu bilden. Unter dem Einfluss der Außenwelt, die ja grundsätzlich bedrohlich ist, bildet sich ein Schutzmechanismus des bewussten Ichs nach außen gegen die Außenwelt und nach innen gegen die aufsteigenden Triebe (die Ansprüche des „Es“).

Das, was Reich hier „Charakter“ nennt, gliedert Frederick S. Perls (1) in IDEALE und GEWISSEN, die von der Außenseite auf das „Ich“ drücken. Das „Ich“ ist somit gut zwischen diesen und dem „Es“, den Trieben, eingeklemmt.

Charakter ist sozusagen ein Schutzapparat nach außen. Von der Innenrichtung her ist es das „Es“, das Lustprinzip, das darauf hinzielt, größtmögliche Befriedigung zu erlangen. Dieses „Es“ muss in Schach gehalten werden, denn vom Außen, von der Außenwelt kommen genau gegenteilige Reize: Zwänge, Anpassungszwänge, denen man hilflos ausgeliefert ist.

Die bedrohliche Außenwelt schränkt das Maß an gesuchter Befriedigung oft drastisch ein. Dabei entsteht Angst. Um diese Angst bewältigen zu können, baut sich das Ich einen Schutzmechanismus, einen Schutzapparat auf, der
zwischen sich und die Außenwelt geschoben wird, eine Außenhaut sozusagen.

Diese Abwehrschicht des Ichs gegen Außenreize ist der Ort, wo der Charakter gebildet wird. Das, was wir Charakter nennen ist also die Organisation dieser Außenschicht. Er ist etwas ganz Typisches, Individuelles, das, so wie es organisiert ist, nur auf diesen einen Menschen zutrifft. „Charakter“ ist der Versuch einer ganz spezifischen Problemlösung. Er ist die Summe aller spezifischen Reaktionsweisen und manifesten Reaktionsmöglichkeiten.

Jeder Charakter hat bestimmte Formen seiner Erscheinung, die wir Charaktereigenschaften nennen. Die Sicht der Welt gehört dazu, aber auch die Art des Sprechens, die Mimik, die Haltung des Körpers, der Gang, eben auch die Körpersprache.

Charakter ist also das, was das „Ich“ als zwangsweise gültige Normierung aufgebaut hat, um sich zu schützen. Charakter ist „die Moral des Ichs“. Moralische Vorstellungen – und das sollten wir uns gut merken – sind also grundsätzlich kein originärer Bestandteil des Ichs. Moralische Vorstellungen sind fremde Bestandteile, die aus einer Bedrohungssituation heraus als eigene Bestandteile gehandelt oder als solche definiert werden.

Jede Moral ist also kein in freier, sinnvoller Entscheidung entstandenes Verhalten, sondern ein von außen vorgegebener Zwang, eine Zwangsmoral. Wenn ich diese dann als meine eigene, originäre ausgebe, vermeide ich den Schmerz der Erkenntnis.

Charakter ist nach Reich genaugenommen eine charakterliche Panzerung, ein Panzer mit spezifisch ausgeformten Inhalten, die aber ausnahmslos (und dies dürfen wir niemals vergessen) „äußerer gesellschaftlicher Herkunft“ (2) sind. Der menschliche Charakter hat die Aufgabe, aktuellen Ängsten, die immer „Stauungs“ – Ängste sind, Herr zu werden. (3) Ein bestimmter Charakterzug ist somit ein individueller Problemlösungsversuch. Ein bestimmter innerer Konflikt strebt über das Vehikel der Charakterausprägung eine Lösung an.

Die Triebkräfte, die zur Bildung dieses speziellen Charakter-Typen führten, sind immer diejenigen, die nicht „zur direkten Triebbefriedigung zugelassen wurden“.

Neben dieser Charakterqualität gibt es nun die Charakterquantität. Es ist die Dicke der Panzerung. Dieser Charakterpanzer kann beim einzelnen Menschen so undurchdringlich werden, dass nur noch kleine „Gucklöcher“ nach außen bleiben. Die Kommunikationswege nach Draußen werden gestört, verengt und manchmal fast gänzlich versperrt. Dann kann der Mensch in eine soziale und körperliche Starre fallen.

Welche Gruppen von Charakteren mit welchen Qualitäten kennen wir nun?

Der Zwangscharakter

Der Zwangscharakter ist derjenige, der mit seiner Außenwelt nicht in gefühlsmäßige Beziehungen treten kann. Er hat sozusagen eine harte Oberfläche, die nichts durchdringen kann und an der alles abprallt. Ein ganz typischer Zug ist pedantisches Verhalten auf allen Ebenen. Ordnung ist das ganze Leben! Und die bestehende darf nicht geändert werden. Gründlich wird alles erledigt – und mit Sparsamkeit! Für Spekulationen, im geistigen wie im materiellen Sinne ist überhaupt kein Platz. Eher für Geiz, aber auch für Umständlichkeit.

Oft kann dieser Charakter nicht Wichtiges vom Unwichtigen im Leben unterscheiden – der Bezug zum Lebendigen fehlt. Zu alledem gehört die Sauberkeit, die Angst vor Bakterien, Tieren usw. „Sauberkeitswahn“ ist ein wesentliches Merkmal des zwanghaften Charaktertypen. Der Gesichtsausdruck solcher Menschen ist oft hart, ihr Gang ist schwer, als laste das Gewicht der Welt auf ihnen.

Der hysterische Charakter

Der hysterische Charakter ist der ausgesprochen weiche, höfliche Typus mit femininen Zügen (beim Mann) und der kokette Typ, körperlich drahtig und munter mit sexuell provozierenden Bewegungen (bei der Frau). Gemeinsam haben sie die leichte Erregbarkeit, zeigen sich aber oft sichtbar scheu und ängstlich. Unbeständigkeit ist ihr Merkmal, auch in ihren Reaktionen auf äußere Reize. Sie sind, weil sie sehr suggestiv fühlen, leicht zu enttäuschen. Mit ihrer Neigung zu Phantasien haben sie oft Probleme mit der Realität -, was wiederum Erregungszustände provoziert. Besonders der passiv-feminine Charakter hat sich einen dicken, dicken Panzer zugelegt, der sich oft hinter ausgesuchter Höflichkeit verbirgt.

Der querulant-aggressive Charakter

Der querulant-aggressive Charakter hat sich im Gegensatz dazu einen starken „Stachelpanzer“ zugelegt. Er meint, mit ständigen Aggressionen die Außenwelt in Schach halten zu müssen.

Der sadistische Charakter

Der sadistische Charakter bedient sich dieser Aggression in noch viel stärkerer Weise.

Der narzistische Charakter

Der narzistische Charakter tritt sehr selbstsicher auf, bis hin zur Arroganz, oft mit kräftigem Imponiergehabe. Meist sind es recht athletische Menschen, die überlegen tun und entweder kalt-zurückhaltend reagieren oder höhnisch aggressiv. Vermuten sie einen Angriff von außen, greifen sie lieber selbst an als abzuwarten. Diese Charaktere zeigen sich „stark“ und betonen ihre Würde manchmal so sehr, dass die infantilen Züge nicht zu übersehen sind.

Der masochistische Charakter

Der masochistische Charakter nun ist der ewig Leidende, der Klagende, der sich erniedrigt bis zur eigenen Schädigung. Er ist der, welcher ein großes Ungeschick im Umgang mit Menschen zeigt und der eines gewiss weiß, nämlich dass er nichts wert ist. Es ist ein Mensch mit gänzlich schwachem Selbstwertgefühl.

Eine besondere Form ist der „aalglatte“, der „schleimige“ Mensch, der jeder geraden Reaktion ausweicht und somit nie zu fassen ist. Diese Charaktere haben eine weiche, singende Sprache und platzen schier vor innerer Aggression, die sie nicht zeigen dürfen. Sie sind ewig freundlich und zeigen ein Gehabe, das man ohne Arroganz mit „schmierig“ bezeichnen kann.

Das in unserer Zeit so ausgeprägte Gutmenschentum, das ein irreales Ideal als Realität leben will, ist oft eine Mischform von hysterischem und masochistischem Charakter. Aber auch Narzisten operieren hier, um Vorteile zu erlangen.

Gleich zu welcher Charakterqualität jeder von uns gehört – natürlich gibt es Zwischenformen aller Art – es ist wichtig für die eigene Gesundheit, dass die Charakterquantität, die Dicke der Panzerung, so gering wie möglich ist. Je dicker der Angstpanzer um das eigene Ich liegt, in welcher Ausprägung auch immer, desto stärker staut sich die Energie, die so gerne frei fließen würde.

Reich nennt diese dicken Panzerungen „die emotionelle Pest“. Er gebraucht einen der stärksten Krankheitsbegriffe, die Pest, von der man weiß, dass sie im Mittelalter fast die gesamte europäische Menschheit dahingerafft hat, um die Stärke dieser gefühlsmäßigen Deformationen aufzuzeigen. Er meint: „Ein Organismus, dem die Fähigkeit, sich natürlich fortzubewegen von der Geburt an dauernd unmöglich gemacht wurde, entwickelt künstliche Formen der Fortbewegung. Er hinkt oder geht an Krücken. Ebenso bewegt sich ein Mensch mit den Mitteln der emotionellen Pest im Leben fort, wenn ihm von Geburt an die natürlichen Lebensäußerungen der Selbstregelung unterbunden wurden. Der emotionelle Pestkranke hinkt charakterlich. Die emotionelle Pest ist eine chronische Biopathie des Organismus.“ (4)

Charakterpanzerung schädigt also den Organismus, macht ihn „biopathisch“, also lebenskrank. Psychische Verhaltensweisen gehen auf den Körper über, übertragen sich sozusagen von der Seele auf den Körper und schädigen diesen.

Nach Reich lassen sich alle Panzerungen auf drei Grundgefühle, drei Ur-Affekte zurückführen: Auf Sexualität, Angst und Wut beziehungsweise Hass. Aus den möglichen Kombinationen dieser drei Affekte lasen sich die kompliziertesten Charakterstrukturen zusammensetzen.

Immer ist die verdrängte Sexualität, die aus dem Innern (dem „Es“) kommt im Spiel, dazu die Angst vor der Außenwelt und der in tausenderlei Variationen aufgestaute Hass der gedemütigten Seele oder die unbändige Wut über die Knechtung des eigenen Lebens.

Unabdinglich für einen dicken Charakterpanzer ist, dass dies alles nicht nach oben ins Bewusstsein dringen darf, weil sonst der Zusammenbruch aller mühsamen, von Kindesbeinen an konstruierten Hilfskonstruktionen droht. Jede Panzerung schränkt die Beweglichkeit ein, die Leistungs- und Liebesfähigkeit. Je größer die Panzerung, desto mehr ist der Energiehaushalt dieser Person bedroht. Je stärker die Panzerung, desto mehr Energie wird verbraucht, um diese seelische und körperliche Verkrampfung stabil zu halten. Es entsteht ein muskulärer Spannungszustand – psychische und physische Funktionen werden eine Einheit.

Jeder Neurotiker ist muskulär dystonisch (5) und jede Heilung zeigt sich direkt durch Lockerung bzw. Straffung des muskulären Habitus an. Am besten beobachten wir diesen Vorgang beim Zwangschrakteren. Seine muskuläre Starre drückt sich aus in Ungelenkigkeit, unrhythmischen Bewegungen, besonders beim Geschlechtsakt, in einer mangelhaften mimischen Beweglichkeit, in einer für diese Neurose typischen Verkneifung der Gesichtsmuskulatur, die ihm oft einen leicht maskenhaften Gesichtsausdruck verleiht. Typisch etwa ist eine Falte von oberhalb des Nasenflügels zum Mundwinkel, ebenso eine leichte Starre des Augenausdrucks, die durch Starre der Lidmuskulatur zustande kommt“. (6)

Jede charakterliche Panzerung bedeutet Muskelstarre! Ständige, manifeste Energiestauung ist ohne Zweifel eine Störung der biologischen Funktionen. Diese biologische Funktionsstörung nennt Reich „Biopathie“. Die „biopathische Schrumpfung“ ist die Folge – der Lebensapparat, das Biosystem Mensch wird auch in seinen Zellfunktionen von „emotionaler Stille“ heimgesucht.

Die Folgen sind allumfassend und können dramatisch werden:

  • Atmungsstörungen
  • Einschränkungen der Lungenfunktionen
  • Expansionseinschränkung des Brustkorbs
  • Kontraktionshaltung. Sie erfasst zuerst die Organe, dann die Organ-Systeme, das Gewebe, das Blutsystem
  • das Gefäßsystem verengt sich (hoher Blutdruck, rascher Puls)
  • Abnahme der roten Blutkörperchen (Anämie)
  • Verkrampfungen im Darm
  • Impotenz, Frigidität
  • Tumorbildung, Krebserkrankung
  • das, was wir AIDS nennen

Die Folgen dieser biopathischen Schrumpfungen sind besonders dramatisch „wo Ringmuskeln funktionieren, so am Rachen, am Mageneingang und -ausgang, am Darmende etc. Es sind Stellen des Organismus, an denen die Krebserkrankung mit besonderer Häufigkeit anzusetzen pflegt. Die biologische Ladungsstörung an einer Drüsen- Schleimhaut- oder Hautpartie wird durch eine muskuläre Sperre in der Nähe der affizierten (7) Stelle ermöglicht, die die plasmische Strömung unterbindet“. (8) Damit die gebundene Energie, die Emotion, das Gefühl, das Leben wieder fließen kann hat Reich seine Orgontherapie entwickelt.
 

Das Leben wieder fließen lassen

Reich spricht von „charakteranalytischer Vegetotherapie, um die Arbeit am seelischen und am körperlichen Apparat in eines zu fassen. Dieser Ausdruck hatte mehrere Nachteile… Er war zu lang. Er enthielt ferner das Wort ‘vegetativ’, was zwar im Deutschen korrekt war, aber im englischen Sprachgebrauch an ‘vegetables’ anklang. Er hielt schließlich die Teilung des Organismus in einen psychischen und einen körperlichen Anteil fest, was unserer einheitlichen Auffassung des Organismus widersprach.

Diesen Begriffsverwirrungen macht nun die Entdeckung des Orgons ein Ende. Die kosmische Orgonenergie funktioniert im lebenden Organismus als spezifisch biologische Energie. Als solche steuert sie den totalen Organismus, drückt sie sich in den Emotionen ebenso aus wie in den rein biophysikalischen Organbewegungen.“ (9)

Da der moderne Mensch keine „heiligen Plätze“ mehr hat, keine „Orte der Kraft“, an denen er sich aufladen kann, ist er mit seinem geschwächten Organismus alleine gelassen und in der Regel der Chemiemedizin ausgeliefert.

Bedenkt man, dass die Entdeckungen Reichs in den vierziger Jahren gemacht und in den Fünfzigern veröffentlicht wurden, in jener für uns heute „guten alten Zeit“, in der jeder, der wollte, arbeiten konnte, in der kaum ein Mensch ahnen konnte, wie schlagartig in den kommenden Jahrzehnten die Krankheiten zunehmen würden, die wir durch unsere kranke Lebensart selbst verursachen, bedenkt man dies alles, dann ist es um die Volksgesundheit heute um Potenzen schlechter bestellt als zu den Zeiten Wilhelm Reichs.

Da ja Reich der zwanghaft verdrängten Sexualität eine große Verursachung bei psychischen Störungen zuschreibt, könnte man meinen, auf diesem Gebiet jedenfalls sei eine Entspannung in der Gesellschaft eingetreten. Die „sexuelle Revolution“ der sechziger und der siebziger Jahre, so könnte man annehmen, habe das Zwanghafte hinweggefegt und für weite Bevölkerungsteile eine Entkrampfung gebracht. Das ist sicherlich so richtig. Eine Mauer des Schweigens wurde durchbrochen. Orgasmusprobleme waren plötzlich Diskussionsthemen. Über Erektionen und vaginale Verkrampfungen konnte gesprochen werden! In der Grundschule wurde nicht nur das Frühgebet, sondern auch der „Klapperstorch“, der die Kinder bringt, abgeschafft. Die Kirchen liefen Sturm, aber es gab tatsächlich das Teil-Fach „Sexualkunde“ schon im Sachunterricht der ersten beziehungsweise der zweiten Klassenstufe.

Es ergaben sich gewaltige Verschiebungen der Sexualmoral in diesen Zeiten!
Das Zeitalter des sexuellen Glücks schien angebrochen: „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment“, skandierten die Jungs der 68er-Bewegung in ihren lustvollen Überreaktionen.

Das war gut so, war es doch auch eine explosionsartige Abrechnung mit der Elterngeneration. Doch, folgte der formalen sexuellen Befreiung, die sich durch wechselnde Sexualpartner, durch Ehen ohne Trauschein, durch eine immer größer werdende Scheidungsrate manifestierte, eine Hinwendung zu mehr Liebesfähigkeit? Das Wissen um neue Techniken ist noch lange nicht das Erleben neuer Inhalte!

Die Frage ist: Hat sich durch diese sogenannte Sex-Revolution die Liebesfähigkeit der Gesellschaft steigern können? Oder hat sich eine Verkrampfung gelöst, um einer anderen Platz zu machen? Hat sich tatsächlich inhaltlich etwas geändert, – ist Liebe zu einem befreienden Fluss angestauter Energien geworden oder blieb die Veränderung lediglich an der Oberfläche?

Ich denke, um das Ziel der sexuell verantwortungsbewussten Freiheit erreichen zu können, hätte sich die Gesellschaft tatsächlich umkrempeln müssen. Und das hat sie beileibe nicht getan.

Die wirklich Herrschenden haben nach diesem großen Schreck ihre Truppen gesammelt, konnten schnell das unvorhergesehene sozialdemokratische Zwischenspiel überwinden und bauten Dank der unfreiwilligen Mithilfe der „Rote-Armee-Fraktion“ (RAF) einen lautlosen, unsichtbaren Machtapparat auf, der in seiner Effizienz den Säbel-rasselnden Polizeistaat von einst um Längen überholt hat.

Ich denke, dass die Fähigkeit zur Hingabe, dass die Liebesfähigkeit seit Wilhelm Reich immer weiter drastisch am Sinken ist, geht doch ein ihr innewohnendes wesentliches Merkmal in dieser Gesellschaft verloren: die Verantwortlichkeit.

Die uns Beherrschenden (damit meine ich nicht die politische Kaste), haben mit Hilfe hochbezahlter Psychologen den Punkt gefunden, um die Stabilität zwischenmenschlicher Beziehungen zu untergraben: Sie nehmen uns Menschen Schritt für Schritt die eigene Verantwortung für das Leben ab.

Nachdem die Grundversorgung über ein Sozialhilfe- und Sozialausgleichsystem geschaffen wird, können sich die Menschen, die immer sonst auf lebenserhaltende Bindungen angewiesen waren, munter „emanzipieren“. Diese sogenannte Emanzipation wird staatlich gefördert: Jeder ist seines Glückes Schmied! Die Ehefrau soll den Namen des Mannes annehmen? – Veraltet! Das Kind soll heißen wie der Vater? – Veraltet! Ein Leben lang Verantwortung für einen Partner mittragen? – Veraltet! Legt man sich doch jetzt einen „Lebensabschnittsgefährten“ zu.

Mit dem Sinken der Verantwortlichkeitsschwelle kommt die Austauschbarkeit der Menschen. Ein Klotz am Bein, weil noch nicht austauschbar, sind die Kinder, – also legt man sich keine zu. Oder, dies wäre der nächste „Emanzipationschritt“: Die Befreiung vom Kinde!

Nach der Zerschlagung der Großfamilie, die noch ein inneres Beziehungs- und ein umfassendes Versorgungssystem war, ist die Zerschlagung der Kleinfamilie voll im Gange. Und dann kommt der letzte Schritt: Die Zerschlagung der Paarbindung, einhergehend mit dem Verlust der eigenen geschlechtlichen Identität.

Text: Walter Häge

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