Aspekte meines Geistes
Aspekt I – Die Filterung der Außenwelt
Jeder von uns weiß, dass das Wesentliche seiner Persönlichkeit nicht sein Körper, sondern das ist, was er denkt und fühlt. Descartes berühmter Spruch: „Ich denke, also bin ich“ sagt uns im Umkehrschluss: „Ich bin das, was ich denke“. Das wäre die erste Definition von Geist: Mein Geist, das sind die gesamten Gedanken und Gefühle, die ich jeden Moment erzeuge und durchlebe.
Die Informationen, die mein Geist für seine Denk- und Fühlarbeit benötigt, bezieht er über mein materielles System, über meine Körpersinne. Der Informationsgehalt meines Geistes geht also durch den Körperfilter, welcher mir sein Ergebnis präsentiert. Je nach Beschaffenheit dieses Filters sind die Nachrichten, die mir als Information dienen, verschieden. Man nehme beliebig viele Beobachter einer identischen Sache: Es ist durchaus möglich, dass jeder dieser Beobachter diese gleiche Sache anders interpretiert, da jeder eine andere innere Perspektive zu dieser Sache hat. Das Ergebnis ist immer die Interpretation, niemals eine „objektive“ Sache. Zu meinen, man könne etwas objektiv beurteilen ist einer der vielen grundlegenden und bitteren Irrtümer des homo sapiens in seiner heutigen Ausformung.
Jedenfalls ist sicher: Meine Sinne sind die Fühler meines Geistes nach Draußen, welche mir die Botschaften im Außen zuleiten. Das führt uns bereits ganz am Anfang der Betrachtung zum Dilemma des Menschen: Das Geschehen kann niemals „objektiv“ gesehen werten, weil das Geschehen durch die Filter der Körpersinne hindurchmuss.
Dramatisch mit der Realitätssicht (und damit mit der Interpretation der Wirklichkeit) wird es dann, wenn psychische Störungen (Wahrnehmungsstörungen, Angststörungen usw.) vorliegen. Viele dieser Störungen sind primär und äußerlich noch nicht sichtbar, irritieren aber das Umfeld, – (jenes, das selbst noch psychisch gesund ist).
Ein Urteil, welches mein Geist nach der Sinnenfilterung vornimmt, ist für mich die Bedeutung des Geschehens. Diese Bedeutung schöpfe ich aus dem Speicher meiner Vergangenheit. Dieser Speicher füllt und füllt sich mit der Lebenszeit; in ihm ist alles aufgezeichnet, was ich je getan habe, was ich je gedacht, gesagt, gemeint, gefühlt habe. Jede Regung meines Lebens ist und bleibt gespeichert. Und, was für manchen vielleicht erschreckend sein mag: Nichts, aber auch gar nichts was sich je in mir ereignet hat, kann gelöscht werden. Es bleibt nicht nur in diesem Leben, sondern in Ewigkeit, (sagen uns jene Physiker, die sich mit dem Geist in der Materie beschäftigen).
Jedenfalls spielen die Informationen, die mein Geist in meiner Vergangenheit erhalten hat, und die gespeichert sind, eine ganz wichtige Rolle, um das, was ich im Jetzt wahrnehme, zu interpretieren. Wir müssen uns hier vertraut machen mit der Tatsache, dass meine Bedeutung, die ich einem Geschehen beimesse, nicht durch das Geschehen selbst ausgelöst wird, sondern durch meine Vor-Bewertungen in meinem Vergangenheitsspeicher.
Mein Geist filtert also die Außenwelt und beurteilt sie nach der gehabten Erfahrung. Der Körper ist für den Geist die Innenwelt. Diesen Körper, mein Fahrzeug, schleppe ich nun Tag und Nacht mit mir herum und manchmal fühlt er sich wohl und manchmal unwohl. Seine entsprechenden Signale sendet er dem Geist: Ich denke, dass ich mich wohl fühle, ich denke, dass ich mich unwohl fühle; mein Denken ist hier die Interpretation der Körpersignale.
Alles, was mir im Innen wie im Außen begegnet wird letztendlich Gedanke. Und Gedanke ist ein Ausdruck des Geistes, ist eine Ausdrucksform des Geistes. Was ich als Gedanke nicht denken und als Gefühl („gefühlter Gedanke“) nicht fühlen kann, das existiert für mich nicht.
Wir Menschen sind „reiner Geist, der mit einer materiellen Außenwelt in Beziehung steht; doch dieser Geist führt ein ‚Fühlersystem‘ mit sich, ein System, das auch der Außenwelt angehört, da es ja nicht Geist ist: Dieses System nennen wir unseren Körper“ (1)
Beachten wir, dass dieser Geist, welcher die Außenwelt aufnimmt und bewertet, in jedem Lebewesen auf diesem Planeten ist, sei es eine Pflanze, ein Tier oder ein Mensch. Die Annahme, dass allein der Mensch Geist besäße, ist einer jener tragischen Irrtümer des homo sapiens, seines noch nicht voll entwickelten Geistes. Wie sagte Konrad Lorenz (Nobelpreis 1973): „Das fehlende Glied zwischen Mensch und Affe sind wir selbst.“
Tiere haben zum Teil komplexe Sprachen entwickelt, welche nicht nur Laute, sondern auch Bewegungen, Gesang, die Mimik, auch Farbveränderungen und Gerüche mit einbeziehen.
Charon zitiert in diesem Zusammenhang den Verhaltensforscher Karl von Frisch, Nobelpreisträger gemeinsam mit Konrad Lorenz, der die Sprache der Bienen entschlüsselt hat. Diese können durch sehr präzise und „lesbare“ Bewegungen zum Beispiel eine folgende Botschaft übermitteln: „In der Zyklame, deren Standort sich in einer Richtung befindet, die mit der augenblicklichen Richtung der Sonne einen südlichen Winkel von 30 Grad bildet, der 600 Meter entfernt ist, werdet ihr Nahrung in großer Menge finden.“ (2)
Charon: „Und wenn die Forscher bei den Brüllaffen nur 15 bis 20 verschiedene Laute entdeckt haben, heißt das noch lange nicht, dass es in Wirklichkeit nicht viel mehr davon gibt, jeder mit einer ganz bestimmten Bedeutung (die Forscher haben vielleicht einfach noch nicht alle gehört) .“ (3)
Wenn wir nun dieses unser „Fahrzeug Körper“ analytisch betrachten, wo könnte der Sitz des Geistes sein? Wir haben keine Vorstellung davon, wo sich der Geist aufhalten könnte und sagen in der Regel: Im Gehirn. Wir meinen, der denkende Verstand sei der Sitz des Geistes. Wieder ein tragischer Irrtum des homo sapiens, welcher zeigt, wie rudimentär das Wissen des Menschen ist. Natürlich besitzt das Großhirn auch Geist, unzweifelhaft, aber eben nur auch.
Thomas Edison, dem Begründer unserer Elektrizitätsversorgung und Geschäftspartner des genialen Nicola Tesla wird ein Zitat zugeschrieben, welches die dramatische Fehleinschätzung aufzeigt. Er soll gesagt haben, dass sein Körper nur dazu da sei, seinen Kopf zu tragen. Mit „Kopf“ meinte er sein Gehirn. Und von diesem komplexen Gebilde meinte er sicher nur den präfrontalen Cortex, jenen Gehirnlappen, in welchem unser planender menschlicher Verstand sitzt. Dieser hat jedoch in der Regel keine tatsächliche Intelligenz, weil er nichts anderes im Sinn hat, als sich die eigenen Vorteile auszurechnen, um diese dann oft mit List und Tücke zu erlangen.
Bei dem Paar Edison und Tesla ist dies beeindruckend nachzuvollziehen. Tesla, der begnadete Wissenschaftler, erfand drei Methoden der Elektrizitätserzeugung, wovon die dritte der Überlandleitungen, die wir heute kennen, die schlechteste Lösung sei, wie er sagte. Edison setzte dieses schlechteste System um, zusammen mit der Weltbank. Warum? Eben weil mit diesem ungeheuer kapitalintensiven und landschaftszerstörenden System das meiste Geld zu verdienen ist.
Hier sehen wir den Weg, in den uns das, was wir fälschlicherweise für Intelligenz halten, führt. Die Menschen sind begeistert von einer Neuerung, die als Wohltat der Wissenschaft, als Fortschritt, als Reform gefeiert wird. Die Motivation dahinter wird jeweils verborgen und in der Masse nicht gesehen: Die Gier nach Geld und Macht über die Menschen. Es gilt die schmerzhafte Tatsache zu erkennen, dass sich das Böse immer als das Gute tarnt.
Dies gilt für das Handeln der Mächtigen, wie, – von der von vorneherein betrügerischen Absicht befreit -, für jeden von uns. Unser Tun im Heute wird von jedem ausnahmslos als „gut“ bewertet. Ob es dies ist, zeigt sich aber erst im Morgen. Wir nennen es dann „Irrtum“. Und wie oft irren wir uns und nennen heute das gestern Gutgemeinte schlecht. Darüber hinaus: Wie oft werden gutmeinende Menschen unwissend und nichtsahnend von jenen instrumentalisiert, die eine gänzlich andere Absicht haben als die, für welche die Gutgläubigen aktiv sind.
Aspekt II – Der Verstand
Der Verstand ist ein Neuro- oder Biocomputer, der alle Daten der umgebenden Welt sammelt. Ich bin mit diesem meinem Gehirn an ein weltweites Netzwerk angeschlossen, – jeder von außen kann mir Nachrichten senden. Deshalb benötige ich mein „Ich“ als Zentrum, um das Ankommende bewerten zu können, um mich gegen bestimmte von außen kommende Einflüsse zur Wehr setzen zu können, um diese abschalten zu können. Dieses Ich, – mein Ego -, ist im Grunde eine Schutzkonstruktion der Evolution.
Fremddaten und Fremdprogramme werden bei mir eingespielt, auf denen dann die Neuronen wie auf einem Klavier spielen. Gleich einem Bienenstock summt und brummt der Verstand Tag und Nacht, macht sich Pläne, verwirft sie, macht sich Hoffnungen, verwirft sie, macht sich Sorgen was sein könnte und denkt sich die Vergangenheit so um, dass sie ins momentane Programm, in die aktuelle Sicht der Welt passt.
Die Tragik derjenigen Menschen, welche ausschließlich in diesem Verstand leben ist, dass kein Knopf zum Ausschalten vorhanden zu sein scheint. Was passiert? Durch eine Dauer-Fütterung mit Belanglosigkeiten bis Unsinnigkeiten wird der Denkinhalt seiner Kraft beraubt. Scheinprobleme beherrschen das Gehirn. Das, was dieser Schnatterkasten dann in Sprache umsetzt, wird zum Rede-Geplapper.
Dieser Verstand ist prinzipiell unersättlich und außenfeindlich, – was ich oder (meist) andere auch hineinschütten, er wühlt und wühlt und kommt nicht zur Ruhe. Die Tragik dieses Verstandes: Er ist grundlegend pathologisch und verleitet dazu, falsche Weltsicht bis Irrsinn als Normalität zu betrachten; er ist immer und ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht und sieht sich als Mittelpunkt der Welt.
Dieser umherschweifende und ständig nachdenkende Verstand lässt mich in der Vergangenheit grübeln und in die Zukunft voraus hoffen. Ich bewege mich damit komplett in einem virtuellen, nichtexistenten Bereich, denn die Vergangenheit ist tot und eine Zukunft gibt es erst, wenn sie im Jetztpunkt gelebt werden kann; dann ist sie jedoch keine Zukunft mehr.
Ich kann nur in Zielen leben; immer muss etwas angestrebt, geplant, erträumt werden. Das ist an sich natürlich nichts Negatives, doch werden hier die notwendigen realen Weichenstellungen im Jetzt nicht beachtet. Die Ziele bleiben in nebelhafter Zukunft (natürlich kann ich meine Jetzt-Momente in Richtung meiner Zielsetzung steuern; dies ist jedoch mit Wachheit, Klarheit und analytischem Denken verbunden).
Ich binde mich in ein System ein, in welchem alle so denken wie das System. Innerhalb dieses Systems agierend, kann ich es nicht durchschauen. Die einzige Chance ist herauszutreten, um die Strategien von außen zu betrachten.
Ein gesellschaftliches Lenkungssystem ist immer mit der systematischen Zerstörung meines persönlichen Bewusstseins verbunden; zuerst durch Erziehung und Pädagogik, dann durch den kompletten Druck der Gesellschaft. Es ist ein Gefängnis, ist ein Hamsterrad in welchem ich immerzu im Kreis gehe. Er erzeugt irrationale Angst, die zu meinem dauernden Lebensbegleiter wird. In einem solchen System werden Jahrhunderte lang ausgesprochene oder nicht ausgesprochene Unsinnigkeiten und Unwahrheiten so lange wiederholt, bis sie irgendwann zu meiner Wahrheit werden.
Und noch ein wichtiger Aspekt: Der ständig umherirrende Verstand dreht jede Antwort in eine neue Frage um. Dies endlos, da keine tatsächliche Antwort gefunden werden kann. Dieser Verstand ist der Eingang zur Hölle – und an diesem Eingang steht das Ich mit seinem „Haben-Wollen”, mit seinen nie endenden Wünschen der Gier nach Besitz und nach Ehre.
Geist I ist der Geisteszustand der Verhaltensebene mit dem Körper im Mittelpunkt. Hier wird das Angenehme mit dem „Richtigen“ oder dem „Guten“ verwechselt. Hier wird das Dasein auf Zeit mit dem Dauerhaften verwechselt.
Geist I ist ein Synonym für das Oberflächen-Bewusstsein, welches die Betriebsamkeit des Lebens als das Leben an sich ansieht. Der Einfachheit halber, und weil kein besserer Begriff zur Verfügung steht, nennen wir diesen Basisgeist „Verstand“. Ich meine zu verstehen, was auf meiner mich umgebenden Ebene vor sich geht. Auf meine Art (von demütig-masochistisch bis brutal-sadistisch) versuche ich damit klar zu kommen, versuche ich, mit diesem Verstehen zu leben.
Und da ist noch der fatale Irrtum, dass ich meine Konditionierungen nicht erkenne. Das Fatale an ihnen ist, dass mir die Fremdbestimmung meines Handelns durch eingepflanzte Reize, die sich verselbständigt haben, nicht bewusst ist. Allein mein vegetatives System spürt die Unordnung und reagiert verstört, doch mein Verstand kann diese Störungen nicht zuordnen. Wenn ich dann zum Arzt gehe, dann weiß dieser ebenfalls nichts von den Verursachungen und versucht die Symptome zu mildern; was zwar kurzfristig hilfreich sein kann, in der Sache aber aussichtslos ist.
Gelingt es mir nicht, meine Konditionierungen zu erkennen und zu lösen, dann handle ich in vielen Situationen automatenhaft, wie in Hypnose. In diesen Schaltmomenten handelt ein fremder Geist durch mich hindurch und ich realisiere dies nicht, – eine der tragischen Realitäten unseres Menschseins und der Grund für unendliches Leid (und schrecklichste Aggression).
Die Macht dieses „Geistes des Dinglichen“ hatte seinen Durchbruch vor etwa 500 Jahren, als zu Beginn dessen, was „Neuzeit“ genannt wird, drei Mächte die Menschheit in diese Richtung drängten: die Wissenschaft, die Technik und das zinsgebundene Geldwesen. Es begann eine bis dahin nie gewesene Umwälzung der Menschheitsentwicklung, in welcher die Gier nach Macht sich hinter Wohltaten versteckte, die ein leichteres, ein besseres und ein angenehmeres Leben suggerierten. Die Bedingungen und die Folgen dieses alles verschlingenden Geldwesens, welches die Wissenschaft zu ihrem Geldvermehrungs-Instrument machte, wurden nicht hinterfragt, ja, Mahner oder Warner wurden und werden vom System lächerlich gemacht, diffamiert und verfolgt.
Das Einengen des Denkens und des Fühlens auf das, was „Fortschritt“ genannt wird, auf Konsum gepaart mit der Abgabe von Verantwortlichkeit, hat einen enormen Realitätsverlust zur Folge. Das Leben verliert seine Tiefe und rudert an der Oberfläche der Unwissenheit, des Intelligenzverlustes und des Mitgefühl-Verlustes, immer auf der Jagd nach dem, was andere als lohnenswert suggerieren. Auf der Strecke bleiben die echten Gefühle. Das echte Sein verfällt, das Leben wird zum Theaterspiel, ja zum Kasperletheater. Hier gibt es in der Endstufe keine echte Wahrnehmung mehr, keine Wirklichkeit und keine Wahrheit.
Was Geist I noch ist? Er ist mein Sorgenspeicher. Der Verstand konstruiert Sorgen und mein Ich nimmt sie als Realität zur Kenntnis. Dann wird der Körper darüber informiert, der die eingebildete Bedrohung für real hält und entsprechende Abwehr-Substanzen ausschüttet, – ein fataler Mechanismus, der auf Dauer krank macht. Mein Ego ist dieser Sorgenspeicher; er erdenkt sich Bedrohungen die überhaupt nicht existieren und entwickelt für diese Luftblasen Gegenstrategien, die absolut nicht relevant sind.
Dieser Verstand denkt prinzipiell mit zweierlei Maß, er denkt auf zwei Ebenen: Da bin ich. Ich bin der zentrale Punkt, um den sich alles, was ist, dreht (bildlich und tatsächlich). Ich weiß, wie die Welt ist, und muss nötigenfalls die Anderen um mich korrigieren, weil sie nicht wissen, wie die Welt ist. Dort sind die Anderen. Sie sind periphere Punkte, Zuträger, Dienstleister für alles, was ich benötige. Sie wissen nicht wie die Welt ist. Gut, dass es mich mit meinem Wissen gibt.
Indem ich mir einbilde der zentrale Punkt des Universums zu sein, erzeuge ich in mir ein Kampfverhalten als eine grundlegende Negativität. Es ist eine grundlegende Aggression (auch wenn sie tief hinter vermeintlichem Gutsein versteckt ist), welche die Dinge nicht akzeptiert wie sie sind. Ich erlebe das Außen negativ, weil es meinen persönlichen Vorstellungen nicht entspricht und suche mir die logisch scheinenden Begründungen, mit denen ich gegen dieses Außen vorgehen kann. Durch diese selbst erschaffene Logik stelle ich mir einen eigenen Freibrief aus, der für jeden, der sich mit mir einlässt, eine böse Erfahrung werden kann. Ich selbst bin natürlich immer im Recht, weil ich gemäß meiner eigenen, „richtigen“ Logik handle.
Unser Handlungsgeist kennt nur Dualität, – kennt die Eben von „ja“ oder „nein“, von „richtig“ oder „falsch“, wobei „richtig“ immer das ist, was mir selbst nutzt. Diese Ebene ist ein surrender Prozess, eine Hetze von Hin und Her, welche komplett an das eigene Nervensystem gekoppelt ist. Sinnesreize, wo immer sie auch herkommen mögen, geben den Anlass zur Reaktion: ein nicht sichtbarer und nicht verstehbarer „Außenwind“ treibt mich hierhin und dorthin, lässt mich links oder rechts greifen, lässt mich dies oder das glauben, flüstert mir diese oder jene Meinung ein.
Ein Merkmal dieses Geistes ist, dass er nur reagieren kann; er kann nicht selbst denken! Tatsächliches Denken heißt eine Sache analysieren; – dazu braucht es Distanz. Geist I hat keinerlei Distanz zu seinem Tun. Es ist dies der handelnde, aber nicht erkennende Geist. Der Verstand sieht die Welt wie durch einen schmalen Schlitz, durch seinen Schlitz und er beurteilt sie danach. Ich sitze in diesem Denken wie der Maulwurf in seiner Röhre, der seinen Nachkommen erklärt, dass diese Röhre die Welt sei.
Wenn wir innerhalb des Verstandes von „denken“ sprechen, dann meinen wir das planende Verhalten, das Nachdenken darüber, wie ich etwas erreichen könnte, was ich haben möchte oder das Nachdenken darüber, wie ich etwas vermeiden könnte, das ich nicht haben möchte. Ich denke darüber nach wie ich eine Sache angehe, wie ich Schmerz vermeide, wie ich Lust gewinne, wie ich Vorteile erlange, wie ich Nachteile vermeide. Das Merkmal dieses „niederen“ Denkens ist, dass keine Distanz zwischen dem Denkenden und dem Denkinhalt besteht: in Geist I sind Denkender und Denkinhalt das Gleiche!
Das Leben in Geist I, im Denken der Erscheinungen, ist ein hypnotischer Zustand der Willenlosigkeit, in welchem die Notwendigkeiten der Lebens-Organisation automatenhaft und unbewusst ablaufen. Dass dies der Betroffene nicht realisiert, tut nichts zur Sache. Was der Betroffene realisiert ist ständiges Leid, ist dauerndes „Rennen an eine Wand“. Wird die Verursachung nach außen projiziert, entsteht ein dauerndes Kampfverhalten, mit dessen negativen psychischen und dann körperlichen Folgen: Krankheit entsteht immer im Geist!
Das muss verstanden werden: Da die Psyche selbst nicht denken kann, wird der unmittelbare Reiz, der unmittelbare Moment zum Herrscher über mich. Die Falle der Psyche heißt: „Das will ich jetzt.“ Die Falle heißt: „Dort ist mein Vorteil“, sie heißt: „Was von alledem bringt mir am Meisten?“ Und: „Das gehört mir!“. „Das ist mein Haus!“, „Das ist meine Frau!“ „Das alles ist mein!“. Und: „Meine Bedingungen sind maßgebend!“ Und so weiter und so fort. Die Tragödie, in welche dieser Geist hineinläuft, wenn er der Herr ist, sie ist vorhersehbar, berechenbar. Die Tragödie ist unausweichlich, unabwendbar, auch wenn großer Reichtum angehäuft wird. Dies gilt auch für jenen Fall, dass dieser niedere Geist mit einem sozusagen abartigen Analysegeist gekoppelt ist, der die Umwelt so zu manipulieren vermag, dass alles und jedes zu Eigennutz geformt wird: Alles, was zulässt, dass es manipuliert wird, wird auch manipuliert, um die Gier dieses niederen Geistes groß und größer werden zu lassen. Die Geschichtsbücher sind voll von solch niederen „Geistern“, hier oft hochgepriesene Massenmörder, welche der Nachwelt als „der Große“ präsentiert werden.
Der nicht erkennende Mensch erhält die Impulse auf dieser Geist-Ebene von ursprünglichen „lebensrettenden“ Impulsen aus der Kindheit (seinen Fluchtmechanismen), von Manipulatoren jeglicher Art, die ihn fremd- und außensteuern, von selbst formulierten (oft einschränkenden) Glaubenssätzen, – eine Selbstkonditionierung, durch die sich der Charakter weiter negativ festigt.
Dualität ist der Geist der Erscheinungswelt, und dieser Geist kann nur erkennen und verfolgen, was sich bewegt (Es gibt Insekten und Schlangen, die nur das sehen, was vor ihren Augen in Bewegung ist. Sitzt ein potentielles Opfer direkt davor und es bewegt sich nicht, dann sieht der Räuber nichts, komplett nichts). Für den Geist der Erscheinungswelt gibt es ebenfalls nur das, was ihm sein Nervensystem mit Hilfe der Sinne sichtbar macht. Dieser Geist erkennt keine tatsächliche Realität, er erkennt ein Segment, das an sein individuelles System gekoppelt ist. Geist I erfährt niemals, wie die Welt wirklich ist; das Tragische ist, er weiß nicht, dass er niemals etwas davon erfährt.
Bei meinem Verstand endet mein Ich an meiner Haut, – bis dahin geht alles Interesse. Jenseits meiner Haut ist „alles Andere“.
Tragisch, wenn ich lediglich ein Lebensmodell kenne, das wahrnimmt was ich meine, was ich glaube, was ich denke, wie ich bin. Alles auf dieser Ebene ist eine Halluzination. Teile ich diese Einbildung mit den Menschen meines Umfeldes, dann wird sie zu einem allgemeingültigen Zustand. Die Täuschung wird normal und manches Menschenkind fühlt sich nur dann wohl, wenn es getäuscht wird. Dann kann das komplette Leben zu einer einzigen Täuschung werden.
Der Verstand erfährt niemals, dass seine Außenwelt eine Täuschung ist. Er meint irrtümlich, es gäbe eine solche, die von der Innenwelt getrennt sei. Aber es gibt kein „Außen“, das vom „Innen“ getrennt wäre; beide Welten sind eine Welt: Ich und die Realität um mich, wir sind nicht zwei.
Die Menschheit in ihrer jetzigen Geist-Formation ist eine Fehlentwicklung. Wir spalten unser Bewusstsein auf und halten einen Teil davon für die ganze Wirklichkeit. Das momentane Ich-Bewusstsein ist nur der kleinste Teil. Dieser Teil muss überschritten werden. Das Verlassen des dualen Denkens (das Denken, dass etwas nur so sein kann oder anders) ist eine Voraussetzung, um von Geist I zu Geist II vordringen zu können. Buddhas Aussage, dass von jeder Wahrheit auch ihr Gegenteil wahr sei, sollte zu meinem Grundwissen werden, zu meinem Grund-Lebensgefühl, tief in meinem Energiefeld und in meinen Körperzellen verankert.
Aspekt III – Das Elektronenfeld
Physikalisch gesehen bin ich mein Elektronenfeld. Das Bewusstseinsfeld dieser meiner Elektronen ist ungeheuerlich groß: meine ca. 50 Billionen Körperzellen (als Erwachsener) multipliziert mit 100 Milliarden Elektronen. Dieses Elektronenfeld-Bewusstsein, das bin ich, das ist mein Ich.
Mein von der Evolution erschaffener Organismus, der dermaßen präzise und in Lichtgeschwindigkeit je Sekunde Abermillionen intelligente und vernünftige Entscheidungen trifft, der „Chemiefabriken“ und Logistik kontrolliert, der sich fürs Erste keinen Deut darum schert, ob mir all diese Arbeit passt oder nicht, weil er nach einem übergeordneten Plan arbeitet, dieser Organismus ist kein feststehendes Ich. Er entzieht sich kommentarlos einem solchen törichten Ansinnen. Aber was ist er dann? Auf jeden Fall ist mein Organismus geistgesteuert mit all seinen automatisch ablaufenden Körperereignissen. Dieser steuernde Geist wird, so erscheint es uns, im Gehirn erzeugt, wobei wir heute messtechnisch einiges feststellen können:
Das menschliche Gehirn ist fest an das elektromagnetische Erdfeld angekoppelt, mit seiner berühmten, von dem Physiker Schumann entdeckten Frequenz von 7,83 Hertz. Im Bereich von 8 Hz bis 13 Hz liegen die so genannten Alpha-Wellen des Gehirns, die einen meditativen Zustand widerspiegeln. Der Beta-Wellenbereich von 14 Hz bis 18 Hz ist der Zustand des logischen Denkens und des überlegten Handelns. Der Gamma-Bereich zeigt Erregung, Aggression, aber auch depressives Verhalten.
Messtechnisch können wir also wiederum an Hand eines qualifizierten Stromflusses bestimmte somatische und psychische Verhaltensweisen feststellen. Unser Geist scheint so etwas wie ein Handlungsspielraum zu sein, der uns in die Lage versetzt, übergeordnet über die autonomen Zellfunktionen hinaus tätig zu werden. Definiert man nun sein „Ich“ als diese Handlungsfähigkeit, dann könnte dieses Ich der Wille sein, etwas tun zu wollen.
Dieser Wille, dieser Tun-Drang ist vielleicht die Kennzeichnung des Geistes, denn ohne diesen Drang geschieht, über die reine zellulare und autonome Lebenserhaltung hinaus, überhaupt nichts. Ich bestimme mit meinem Willen, mit meiner Motivation den Geist; dieser bestimmt mein Handeln und dieses wiederum bestimmt durch Rückkoppelungseffekte das, was scheinbar von außen auf mich zukommt. C.G. Jung sagt dazu: „Wenn die Ereignisse um mich fehlerhaft verlaufen, dann stimmt mit mir etwas nicht.“ Durch die Art, durch die Qualität meines analytischen Denkens auf dem Boden der Realität forme ich meinen Geist, also meine Elektronen in eine Zielrichtung, welche der Materie, der Körperchemie Handlungsanweisungen geben. Es erfolgt
a) im Innen eine Umsteuerung im Körpergewebe und
b) eine Umsteuerung im Außen
so dass meine Handlungen sich verändern.
Deshalb heißt mein Fundament: Ich denke nie mehr unbewusst! Ich bringe mein Denken unter meine Kontrolle und beende das unbewusste Denken. Ich steuere mit meinem Bewusstsein meinen Geist. Ich gebe mit meinem Willen Anweisungen in die Zukunft hinein, im Innen wie im Außen.
Der kleine Bruder denkender Verstand mit seinen bewussten 20 Milliarden Neuronen bittet seinen großen Bruder Körpersteuerung mit seinen nicht bewussten 180 Milliarden Neuronen, die Leistungsfähigkeit zu erhalten oder Schadstellen zu beseitigen, indem er die entsprechenden Informationen an die 50 Billionen Zellen sendet. Dieser Weg ist das Zurückholen der verlorenen Kommunikation der menschlichen Bewusstseinsebenen.
Der Geist, im Gehirn angesiedelt, erhebt sich über die autonomen Regelkreise der Nervenzellen und trifft, so scheint es, originäre Entscheidungen; es kommt zu individuellen Prägungen von Denkmustern, welche das Handeln bestimmen. Wer den Geist des Menschen beherrscht, der herrscht über diesen. Dies wussten schon in allen Kulturen die Priester und die Fürsten, diejenigen, welche die Masse in ihrem Sinne lenkten. In der Vergangenheit geschah dies meist mit sichtbarer Gewalt, mit „Feuer und Schwert“. Heute, in unseren westlichen Gesellschaften wird diese Gewalt für uns in der Regel unsichtbar ausgeübt und hinter „Gutsein“ versteckt.
Man hat in moderner Zeit einen Mechanismus gefunden, um die Gehirne des Volkes mit Unsinnigkeiten und Ängsten so zu überladen, dass die rund 10 Milliarden grauer Zellen des Großhirns nachgerade verstopft sind. Es fließt keine Energie mehr, die eigene Entscheidungen produzieren kann. Der manipulierte Mensch schließt sich Mehrheitsmeinungen an, die vom Herrschaftssystem gesteuert sind, plappert diese nach und funktioniert ganz und gar freiwillig so, wie er funktionieren soll. Unsere Manipulatoren haben für jedes geistige Niveau Parallelwelten geschaffen, fern der tatsächlichen Realität, die in sich logisch sind und deren Benutzer sich für authentisch handelnde Menschen halten, obwohl sie weit davon entfernt sind. Die politische Klasse ist das augenscheinlichste Beispiel für eine solche parallele Scheinwelt.
Denken ist ein energetischer Prozess, in welchem Informationen als elektrische Impulse bearbeitet werden. Die Gehirnstruktur des Menschen ist weitgehend durch die Erbanlagen bedingt. Mit ihnen gehen Hand in Hand Erlebnisinhalte, Erlebnisstruktur und Erlebnisintensität seit der Zeugung einher, – das was man Psyche nennt.
Als nächste starke Einwirkung auf den Geist ist die Seele („Atman“, „das Selbst“) zu nennen, eine vorhandene Informationsstruktur der Evolution, die jeder Erdenbürger mit hierhergebracht hat. In diese Seele integrieren sich dann die derzeitigen persönliche Erlebnisse, das persönliche Karma und formen diese Seele somit weiter.
Geist interagiert also innerhalb seiner materiell/neurologisch vorgegebenen Struktur mit seinem a) sozusagen materiellen Seelenteil, der mit der Zeugung beginnt und in der Psychologie als persönliches Unbewusstes gilt und seinem b) sozusagen rein karnativen Seelenteil, der die ganze Evolution beinhaltet, bis hin zu diesem bestimmten Menschen als Endpunkt.
Das, was ich hier in Ermangelung einer anderen, vorgegebenen Begriffsbildung „materielles Seelenteil“ nenne, dies sind alle wirkenden, aber nicht mehr bewussten Kräfte seit der Zeugung. Der Psychoanalytiker Ludwig Janus beschreibt diese Seelenentstehung in beeindruckender Weise und weist darauf hin, dass wir immer „die Welt aus der Totalität unserer ganzen Lebenserfahrung heraus (erleben), auch unserer Vorgeburtlichen. Ja, gerade diese kann ein Wurzelgrund unserer tiefsten Wünsche und Befriedigungen sein, wie die Erfahrungen und die Meisterung der Geburt ein Ausgangspunkt unserer Fähigkeit zu immer neuer elementarer Bewährung ist.“ (4)
Unser Geist, durch nichts und niemanden getrübt, ist nicht das Produkt und nicht eine Ergänzung oder ein Abkömmling unseres Körpers, unser Geist ist eine Kommandozentrale, mit der wir unseren Körper beeinflussen und steuern können. Stanislav Grof, Dr. med. und Dr. phil., sagt dazu: „Diejenigen, die ursprünglich die Materie als die Grundlage der Existenz ansahen und den Geist für ihren Abkömmling hielten, können zunächst entdecken, dass das Bewusstsein ein unabhängiges Prinzip im Sinne des psychologischen Dualismus darstellt und es schließlich als die einzige Realität akzeptieren.“ (5)
Geist beziehungsweise Bewusstsein sind also unabhängige Prinzipien, sind eigene Realitäten, die tatsächlich „Berge versetzen“ können und die Krankheiten heilen. Es ist eben so, dass der Geist den ansonsten autonom arbeitenden Zellen eine klare zusätzliche Handlungsanweisung gibt, die diese dann ausführen.
Der folgenden Ausführung des Physikers Fritjof Capra ist nichts hinzuzufügen: „ Jede Weisung unseres Geistes löst in unserem Körper einen riesigen Komplex von Steuerungs- und Regelmechanismen aus, die hinab bis zur Ebene der Zellen wirksam sind. Auf diese Weise nimmt unser Geist und die Art unseres Denkens einen unmittelbaren Einfluss auf alle Geschehen unseres Körpers, selbst auf diejenigen, die sich innerhalb der Zellen abspielen.“ (6)
Eine weitergehende Frage müsste jetzt gestellt werden: Woher erhält der Geist seinen Impuls, so oder so tätig zu werden? Oder: wieso wird der eine Geist im Sinne der Selbst-Heilung tätig und der andere im Sinne der Selbst-Zerstörung? Wer ist der Impulsgeber des individuellen menschlichen Geistes, des Bewusstseins? Der erkennende, der weise Mensch, der um die Kraft seiner unzerstörbaren Seele weiß, bezieht seine Impulse von dieser. Sie ist das Bindeglied zum alles umfassenden göttlichen Quantenfeld, sie ist darin „eingefaltet“, sie ist Bestandteil des Feldes.
Der nicht erkennende Mensch erhält seine Geist-Impulse (soweit man dies so nennen kann)
- von seinen Manipulatoren (Er ist dann fremd- und außengesteuert);
- von seinen ursprünglichen „lebensrettenden“ Impulsen oder von seinen Fluchtmechanismen aus der Kindheit;
- von alten, einschränkenden Glaubenssätzen, die vielleicht einmal stimmig waren, jetzt aber unsinnig geworden sind.
Bis dahin sind die Ergebnisse, die wir durch Bewusstseinserweiterung des Geistes auf der Körperebene erreichen können schon gewaltig. Und es funktioniert! Nicht nur bei mir, der ich keine Lebenserwartung mehr hatte (Siehe: „Der Weg – Meditationen zur Selbstheilung“ Video Nr.1). Nachdem ich durch Autosuggestion mein Leben total umkrempelte und meinen Körperzellen die steuernden Anweisungen gab, wurde der Krankheit gänzlich der Nährboden entzogen.
Betrachten wir noch einmal die prinzipiell autonom arbeitenden Zellen: Der Antrieb der Körperzellen, ihr Handlungsanstoß bestimmte Dinge zu tun oder nicht zu tun, kommt aus dem Universum, mit dem die Zellen in dauernder Verbindung durch den Photonensog in ihren Zellkernen stehen. Die Intelligenz unseres Körpers kommt also aus dem Universum. Nach dieser Logik ist der Schluss zwingend, dass es deshalb kein eigenständiges, abgeschlossenes, individuelles „Ich“ geben kann.
Es sind die Elektronen um die Atomkerne, die uns steuern, es ist das morphogenetische Feld, in welchem die Baupläne aufbewahrt sind, das uns steuert, es sind die Photonen und die Neutrinos/Strings, in welchen die Baupläne überbracht werden, die uns steuern. Ist unsere Mutter Erde mit all ihren Kindern ein großes Elektronenexperiment, wie ein Jean Émile Charon spekuliert?
Jedenfalls ist es der Geist, der die Materie hervorbringt. Ein für uns unvorstellbar großes geistiges Etwas, das wir in unserer Strukturbedürftigkeit gerne als Wesen oder als Gott betrachten, erschafft und erhält eine gewisse Zeit alles was da ist. Diese „gewisse Zeit“ ist die Zeit, in der ich mich als „Ich“ betrachte, von der wir meinen es gäbe so etwas wie zum Beispiel ein „Baum-Ich“, ein „Hunde-Ich, ein „Menschen-Ich“ (manche Menschen sind sogar dem Wahn verfallen, nur ein Mensch habe ein „Ich“ oder eine Seele).
Beeindruckend treffen sich hier Buddha (der dies alles vor über 2000 Jahren aus einer Erkenntnis heraus formuliert hat) und die moderne Physik: Alle Phänomene dieser Welt sind Manifestationen einer von uns nur erahnbaren geistigen Größe.
Ein so großer Physiker wie Frithjof Capra schreibt, dass dieses Erkennen und Hinwenden zum göttlichen Prinzip „für mich zu einer Quelle dauernder Freude und Inspiration wurde; der Erfahrung, dass die Grundtheorien und Modelle der modernen Physik zu einer Weltanschauung führen, die innerlich stimmig ist und mit den Anschauungen der östlichen Mystik vollkommen harmonisiert.
Für diejenigen, die diese Harmonie erfahren haben, gibt es keinen Zweifel an der Bedeutung der Parallelen zwischen der Weltanschauung der Physiker und der Mystiker. Die interessante Frage ist dann nicht, ob diese Parallelen existieren, sondern warum, und weiter, was daraus folgt.“ (7)
Was nun die Fragestellung Capras betrifft, so muss jeder von uns selbst für die Beantwortung, für seine persönliche Antwort Sorge tragen. Dazu hilft uns ungemein das, was wir „Geist“ nennen, unser Bewusstsein, das, was im Großhirn an Inhalten, an Gedankenfähigkeiten erzeugt wird bzw. was wir zur Bearbeitung zulassen.
Vorsicht, wenn wir „Bewusstsein“ sagen. Wir implizieren in diesen Begriff eine gewisse Ein-Dimensionalität, so als wäre unser Bewusstsein ein Ding oder ein Zustand oder eine Sache, über die wir, je nach Erkenntnislage, in verschiedenen Qualitäten verfügen: Im Vakuum, also im „leeren“ Raum zwischen den Verdichtungen, die wir Atomkern oder Elektronen nennen, sind unzählige Quantenmöglichkeiten vorhanden. Natürlich wird nur eine für uns zur Realität, weil sie die „Verdichtungen“ beeinflusst (die wir irgendwann vielleicht messen können, wenn es ein Messgerät für diese Manifestation gibt).
Diese Realität ist dann eine Möglichkeit und nicht die Möglichkeit (siehe Murray Gell-Manns „Viel-Historien-Interpretation“). Analog dazu gibt es die „Viel-Bewusstseins-Hypothese“, die da sagt, dass jeder Beobachter nicht lediglich ein Bewusstsein hat. Unsere vielen Möglichkeiten der Erfahrung erlauben uns, viele Bewusstseins-
Zustände zu haben (Bewusstseins-Zustands-Möglichkeiten).
Kurz und auf den Punkt gebracht: Mein Bewusstsein verändert sich durch die Fragen, die ich an das Leben stelle. Und mein aktuelles Bewusstsein ist Information, die sich für mein Geschehen im Körper zur Verfügung stellt. Bewusstseinsinhalt ist Impulsgeber für physikalische und dann chemische Reaktionen, die materielle Auswirkungen nach sich ziehen.
Eine ganz praktische Frage gilt es da noch zu klären: Wie erlangt mein authentisches Ich die Kontrolle über mein Denken?
Immer wenn ich denke, ergibt sich eine energetische Konstruktion, eine Elektronenwolke, welche bestimmte Kräfte an sich zieht und an sich bindet, gemäß den Gedanken, welche ich hinausgedacht habe. Diese Kräfte sind immer dualistisch, das heißt sie können mir helfen oder sie können mir schaden.
Ich muss also, wenn ich Kontrolle über mein Denken erlangen will, mein Denkvermögen beherrschen. Dieses Denkvermögen ist der Registrierapparat und dieser besitzt beim Menschen ohne Erkenntnis keine eigene Realität. Dieser Mensch fühlt sich mit diesem Denken identisch; er meint, er sei dieses Denken, er kann keinen Abstand dazu herstellen.
Diese „Apparatur“ ordnet die physische Welt und die mentale Welt. Sie bringt alles was uns unsere fünf Sinne mitteilen zueinander in Beziehung, soweit wir dazu fähig sind. Das Denkvermögen erschafft begriffliche Zusammenhänge und Vorstellungen von etwas. Dies alles auf einer nicht-schöpferischen Ebene: Es wird registriert was sich (um sich) zuträgt, dann wird von diesen Mitteilungen Kenntnis genommen, um sie aufzubewahren.
Die energetische Richtung ist also hier von außen nach innen. Die inneren Folgen der Kenntnisnahmen sind Emotionen, sind Gefühle und Wünsche, die ebenfalls registriert und gespeichert werden. Bei Menschen mit permanenter Daseinswut (die sie haben, ohne es zu realisieren) ist das innere „Fass“ ständig am Überlaufen. Die unaufhörlich erlebten Angriffe von außen werden ständig explosionsartig zurückgewiesen: immer findet Reaktion auf scheinbar äußeren Angriff statt.
Beim Menschen ohne Erkenntnis, der sich durch emotionale Reaktionen treiben lässt (und der somit vorzüglich zu manipulieren ist), fehlt eine wichtige Bearbeitungsstufe nach der Registrierung, die Analyse dessen, was im Innen ankommt. Diese Analyse ist eine Methode genauer Wahrnehmung und zur Weiterentwicklung unerlässlich. Sie ist dazu da, um mein Denkvermögen gegen äußere Einflüsse unempfindlich zu machen. Sie ist dazu da, um meine Aufmerksamkeit zielgerichtet zu formen.
Mit der Analyse erhalte ich eine Kontrollmöglichkeit über die ankommenden Informationen meiner fünf Sinne, die ich dann als die entsprechenden Reize identifizieren und benennen kann. Ich kann sogar mit ihnen sprechen, wenn sie ankommen: „Aha, schon wieder ein gieriger Gedanke, weg mit dir!“ Fluchtartig nimmt dann dieses Verlangen Reißaus.
In der Analyse müssen wir zwingend die Kontrolle über das Denken, das heißt über die Gehirnprozesse erlangen, damit das Gehirn eine neue Feinfühligkeit bekommt. Statt der plumpen Außenreize soll es die feinen Innenreize erkennen, nur so können wir von Außensteuerung auf Innensteuerung umschalten. Der Geist wird fähig gemacht, die Sprache der eigenen Seele zu hören, um sie dann verstehen zu lernen. Das Denkvermögen erhält eine ganz neue Inhaltlichkeit mit dem Ziel, dass es mit meiner Seelen-Energie arbeiten kann. Das heißt: eindringen in die Welt der Ursachen, erkennen, was hinter einer Form liegt, aufspüren der Wirklichkeit.
Rudolf Steiner spricht vom Vertrauen der Seele in das Denken: „Selbst im Sturme der Leidenschaften und Affekte kann eine gewisse Ruhe eintreten, wenn sich das Seelenschiff bis zur Insel des Denkens hingearbeitet hat. Die Seele hat ein natürliches Vertrauen zum Denken.“ (8)
Mein Denkvermögen verlässt jenen statischen abgeriegelten Bereich, wie ihn Pädagogik, Schule und Erziehung scheinbar zementiert hat und stößt vor in das Wesentliche. Der Inhalt des Wesentlichen ist etwas zu verstehen, nicht etwas zu lernen. „Normales“ Lernen – das was wir landläufig „Wissen“ nennen, geht den Weg von außen nach innen, ist nachsagen, was andere vorgesagt haben. Verstehen geht von innen nach außen. Verstehen ist, wenn ich einer Sache einen Sinn geben kann, wenn ich einen Zusammenhang begreife. Verstehen ist echtes Lernen, ist ein schöpferischer Prozess, der von mir ausgeht.
Bringt man das Gesagte in ein Verstehensbild, dann wäre da evolutionär zuerst unser Instinkt, jenes kollektive Verhalten, das unter der Bewusstseinsschwelle arbeitet und umfassende Intelligenz besitzt. Jetzt käme der Intellekt, das Wissen das ich mir, von außen kommend, angeeignet habe (Habe ich viel auswendig gelernt und kann dies im passenden Moment abrufen, gelte ich als intelligent. Somit kann ich alles wissen, ohne das Geringste zu verstehen. Gelingt mir dieses Abrufen nicht oder habe ich wenig auswendig gelernt, gelte ich als dumm).
Dieser Intellekt nimmt beim durchschnittlichen Menschen den ersten Platz ein. Wie wir gesehen haben und noch sehen werden, ist dieser Intellekt ganz wichtig, um uns auf eine höhere Ebene zu transformieren, – wir dürfen ihn nicht gering achten! Wir brauchen den Intellekt als Arbeitsebene, nur müssen wir ihn mit neuen Denkinhalten füllen, Denkinhalte, die von unserer Seele kommen, die wiederum vom morphogenetischen Feld, vom göttlichen Quantenfeld gespeist wird. Somit ist dann unser neurologischer Denkapparat mit der Verursachung der Welt verbunden und der Intellekt erhält eine gänzlich neue, transformierte Qualität.
Dies heißt nicht, dass wir von einer neuen „Heiligkeit“ ergriffen werden, dass wir „abheben“, dass wir uns absondern um von nun an „spirituell“ zu werden. Gerade jetzt werden wir uns nicht „höherwissend“ trennen von all unseren Brüdern und Schwestern, denn dann hätten wir rein gar nichts verstanden. Dies wäre ein Zeichen dafür, dass unsere Spiritualität von außen kommt, dass sie angelernt ist, dass ich vielleicht einem „Meister“ nachbete, dass ich eine Religion brauche.
Jeder, der seine Spiritualität dazu benutzt, um sich von seinen leidenden Mitmenschen abzuheben, ist auf einem vergeblichen Weg. Wer echte Erkenntnis besitzt, der tut seine Arbeit wie jeder andere auch, – nur tut er sie von innen her anders, weil er diejenigen Kräfte erahnt, welche der physischen Welt zu Grunde liegen, weil er weiß, dass alles was wir sehen nur die Formgebung einer Idee ist, weil er weiß, dass alles aus Licht besteht.
Dies ist spirituell: Das Wissen um die Verursachung unserer Welt der Erscheinungen, – die Welt der Quanten, der Neutrinos, der Strings und der Photonen: die Welt der tanzenden Energie (Elektronen gebärend, Atome und Moleküle): die Welt des Lichts.
Durch den nun evolutionär wesensmäßigen Gebrauch des Intellekts (durch den Intellekt der neuen Evolutionsstufe des kosmischen Bewusstseins) öffnet sich mir durch dieses geistige Tor die Welt der Seele. Ich stoße vom Unwesentlichen vor zum Wesentlichen, vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, vom Sterblichen zum Unsterblichen.
Wir, die wir nun mal mit unseren fünf Sinnen operieren müssen, müssen die anderen Empfindungen suchen, die andersartigen, welche über die fünf Sinne hinausgehen: die Dinge hinter den Dingen, das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, den Ursprung der Dinge. Wir müssen vom Natürlichen zum Übernatürlichen vorstoßen. Wenn wir „natürlich“ als die derzeitige Erkenntnisstufe definieren, dann ist „übernatürlich“ jene höhere Erkenntnisstufe, die uns momentan noch nicht zugänglich ist. Dorthin müssen wir gelangen.
Einfache Verstehensbilder dazu: Für den Löwenzahn ist die Kuh übernatürlich, für den Regenwurm ist der Maulwurf übernatürlich, für meinen Hund bin ich übernatürlich, für mich als materielles Wesen ist das Nicht-Materielle übernatürlich. Woran wir mit unserem Geist arbeiten ist eine nicht-materielle Geisteshaltung, eine wahre religiöse Geisteshaltung. Diese unterscheidet einen spirituellen Menschen von einem materiellen Menschen.
Der spirituelle Mensch unterliegt nicht mehr der Fremdbestimmung; jede Verpflichtung, die nicht von innen kommend erkannt wird, wird nicht mehr als solche akzeptiert:
- Alle meine äußeren Verpflichtungen erhalte ich von meiner inneren Instanz; ich weiß, alle Kräfte gehen von innen nach außen.
- Meine innere Ethik macht mich authentisch, ist die Begründung meines Denkens, meiner Motivation, meiner Arbeit, meiner Vorstellungen, meines Wesens.
- Meine innere Ethik steuert auch meinen materiellen Körper und verbindet mich so ganz handfest mit der Welt, von der ich in keiner Weise abgehoben bin.
- Ich erhalte ein neues Denk- und Wahrnehmungssystem, das natürlich meine Außenwelt verändert, das die „ganze Welt“ verändert.
Der solcherart definierte spirituelle Mensch (der jegliche Vorstellung abgegeben hat, er wüsste etwas, was andere nicht wüssten), wird in seiner neuen Erkenntnisstufe zum seelengesteuerten Menschen. Der Intellekt wird zur höchsten menschlichen Macht der Seele, weil der Intellekt das Göttliche nun erfassen kann (soweit er es kann).
Wir benötigen also unseren Geist, um unsere innere Welt zu registrieren, um unsere subjektiven Wirklichkeiten zu spüren, um unsere intuitive Wahrnehmung zu spüren, um das Tor unserer sichtbaren Welt zu durchschreiten. Wir benötigen unseren Geist, um die uns bekannte Welt zurückzulassen, damit das Erlebnis wirklicher Religion beginnen kann.
Es ist unsere Verpflichtung der Mutter Erde gegenüber und den uns Nachkommenden gegenüber, dieses Wissen weiterzugeben, froh und aktiv und unter dem Einsatz eines geschärften Geistes. Ich weiß:
- Echtes Wissen, also tatsächliches Verstehen (soweit dies mir zugänglich ist), braucht sich nicht als kompetent darzustellen. Ich weiß und ich bin; ich brauche niemanden darauf aufmerksam zu machen.
- Wissen und Verstehen äußert sich in meinem Wesen, in meinen Wesensäußerungen, in meinen Handlungen.
- Ich kann niemals durch mein Wissen überzeugen, ich kann niemals durch meine Argumente überzeugen, ich kann nur durch meine Gegenwart überzeugen, dadurch dass ich bin wie ich bin.
Wenn ich so weit in meiner Entwicklung gelangt bin, dann kann ich die nächste Stufe erreichen, dann kann ich jenes Tor durchschreiten, das mich zum intuitiv Wissenden macht. Auf dieser Stufe benutzt der Erkennende sein Denkvermögen, um sich von diesem zu entfernen.
Das hier dargestellte Verstehensbild nimmt dem Intellekt seinen ersten Platz (nach seiner Neuordnung hin zum kosmischen Aspekt) und weist ihm (dank dieser Neuordnung) den zweiten zu. Die nun freiwerdende erste Stelle übernimmt die Intuition! Sie liegt in der Hierarchie über Instinkt und Intellekt. Intuition ist Intelligenz (des Kosmos), die ihren Weg zu mir gefunden hat.
Intuition ist das schlagartige Erkennen, das plötzliche Auftauchen einer Wahrheit, einer Wirklichkeit, ein unmittelbares Erfassen, unabhängig von jedem Denken. Intuition kommt nicht aus dem persönlichen Unbewussten, sie ist eine Qualität des Überbewusstseins, des morphogenetischen Feldes, des göttlichen Wissensspeichers.
Das Wesen der Intuition ist Seelenerkenntnis (die ja kosmische Erkenntnis ist), die durch die Lücken im Denkgewirr hindurch in das bereit stehende Gehirn einfließt. Intuition ist Inspiration, ist schlagartig eintreffender göttlicher Geist, ist angekommene Seelenerkenntnis („Realisation des Atman“). Durch die Inspiration kann ich das Leben lesen (und dann leben) wie es tatsächlich ist.
Bei mir angekommen und als eigenes, inneres Wissen gespeichert, begründet die Intuition meine neuen Ausdrucksformen für das Handeln in der äußeren Welt.
Leben in Inspiration heißt, dass ich in der Regel einen schmerzhaften Weg hinter mir habe und in großer Ruhe und Gelassenheit die äußerlichen Aufgeregtheiten des Lebens sehe und erkenne, sie aber nicht mehr als für mich relevant erachte. Ich kann großzügig sein, echtes Mitgefühl entwickeln, kann verzichten, kann geduldig sein, habe große Entschlusskraft und Energie, schweige und werde gleichmütig.
Gerade der Gleichmut ist für uns rastlosen Menschen des Westens so wichtig! Ich erkenne das was ist, bewerte nicht, lasse es sprechen und mische mich nicht ein, auch wenn es noch so hässlich ist. Ich lasse das Leben geschehen und trage keines anderen Last mehr. Werde ich selbst betroffen (oder diejenigen, für die ich Verantwortung trage), dann wird durch meine hohe Energie die Entschlusskraft mobilisiert, die mich zum richtigen Handeln führt.
Es wäre ein Irrtum zu meinen, dass durch Gleichmut der scharfe Verstand ausgeschaltet würde, – er ist in seiner Ruhestellung immer und jederzeit blitzartig aktivierbar und dient mir als unschätzbare Hilfe.
Durch die Kombination Seelenenergie und Verstand bin ich mein eigener Meister, mein eigener Guru, mein eigener Christus, mein eigener Buddha. Ich kann wie diese, an das Universum angekoppelt, unter alten Bäumen sitzen und hinter die Erscheinungsformen schauen: Die tief eingegrabenen Mundwinkel der Menschen sprechen zu mir, der vorgebeugte Oberkörper spricht zu mir, der höhnende Blick spricht zu mir, das grelle Lachen spricht zu mir. Aber auch das Rauschen der Blätter, das Zirpen der Grillen, das Rot der aufgehenden Sonne und das Trommeln der Regentropfen: Jede Erscheinung spricht zu mir. Ich lasse geschehen und hinterfrage mein physisches Leben, mein emotionales Leben, mein mentales Leben. In hellwachem Zustand übe ich Gleichmut.
Es sieht tatsächlich so aus, als hätte der uns steuernde Geist in unserem Gehirn einen kleinen Abdruck, eine Mini-Replik seiner selbst geschaffen, als hätte er über unserem Zellsystem sozusagen eine Mini-Steuerungs-Anlage installiert: Die große göttliche Steuerungsanlage mit dem ausführenden Medium, dem morphogenetischen Feld, umfasst alle Seins-Manifestationen. Unsere kleine neurologische Anlage mit seinen Bewusstseinsinhalten dient gewissermaßen der Eigensteuerung und lässt die Erkenntnis zu, dass es dieses alles umfassende göttliche Geistfeld gibt.
Leiten wir uns selbst, bis hierher, zu dieser prinzipiellen Erkenntnis, dann ist der nächste, entscheidende Schritt nicht weit, der uns aus der scheinbaren Zerrissenheit unserer Existenz herausführt: Wir sind Mitspieler und Teilhaber jener alles umfassenden Gottesstruktur, wir gehören zu ihr wie der Finger an meiner Hand zu mir gehört. Wir sind nicht die Kinder Gottes, wir sind ein Aspekt Gottes, eine Ausdrucksform von ihm, wir sind Element und Seins-Teil seiner (für uns nicht fassbaren) Pläne.
Wenn wir unser dummes und sowieso nicht vorhandenes Ich aufgeben, uns nicht mehr gegen alles Fließende, gegen alles Kommende und Gehende stemmen, und nur noch das verändern wollen, was wir tatsächlich können, nämlich uns selbst, dann ist jener Friede so nahe, nach dem wir alle so große Sehnsucht haben. Die Vertreibung aus dem Paradies, jener kosmische Unfall wäre überwunden! Wir erleben uns mit diesem neuen (uralten) kosmischen Bewusstsein nicht mehr getrennt, nicht mehr von allen anderen Wesen, nicht mehr von der Erde, nicht mehr vom Universum. Wir spüren mit jeder Körperzelle, dass wir EINS sind. Dass wir, wenn wir bis zu dieser Erkenntnis gelangt sind, vielen als Narr erscheinen werden, ist kein Thema mehr. Es gibt keine Verwicklung mehr zu Meinungen oder Ansichten.
Wir wissen: Alle Gier, aller Hass und alle Illusionen entstehen letztendlich aus der Angst vor dem Tod, aus der Angst eines scheinbar seienden Individuums vor dem Fall ins Nichts. Wir wissen aber auch: Hinter jeder charakterlichen Deformierung, hinter jeder Panzerung, inmitten jeder erkalteten Person ist irgendwo der originäre Mensch und seine so verletzte Psyche mit ihrer Sehnsucht nach Einheit verborgen, da können auch keine Nadelstreifen, keine schwarzen Limousinen und keine sonstigen Darstellungen täuschen. Im Gegenteil – der Schrei nach Liebe und Geborgenheit ist unüberhörbar im Kerker der Kälte.
Ich weiß: Meine mir zugeordneten und heute sichtbaren energetische Strukturen waren schon da, lange bevor ich geboren wurde und werden sein nachdem ich gestorben bin. Als energetische Struktur war ich und werde ich sein, so lange zumindest, wie unsere Sonne mit ihren Strahlen mit allem was da ist kommuniziert. Was also sollte mir Angst machen? Weshalb sollte ich nicht ruhig, zufrieden und gleichmütig allem ins Auge schauen, das da auf mich zukommt? Ein weites Ziel! Ob ich es erreichen werde?
Aspekt IV- Der Beobachter
Um zu Geist II zu gelangen, zu meinem analytischen Verstand, zu meinem Beobachter, zu jenem Verstand, der tatsächlich verstehen kann, muss ich wissen, dass ich analog dazu ein ebensolches Bewusstsein besitze (Dieses wird oft mit „Bewusstheit“ übersetzt, um die Unterscheidung vom Alltagsbewusstsein auszudrücken).
Diese Bewusstheit ist mein auswählendes Bewusstsein, welches dem bewussten Willen unterworfen ist (Ich will etwas nicht, obwohl ich es problemlos haben könnte. Ich lehne eine Sache ab, obwohl sie mir zu meinem scheinbaren Vorteil angetragen wird).
Zu Geist I gehört das entsprechende Bewusstsein der Oberfläche, des Hamsterrades, des alltäglichen Handelns. Natürlich ist dieses Bewusstsein der Handlungsebene real und notwendig. Um meine Dinge zu regeln, die zu regeln sind, ist dieses Bewusstsein, in welchem ich alles plane und in eine Form gebe, unverzichtbar und notwendig. Ich kann nicht in irgendwelche „höheren“ Bewusstseins-Sphären abschweifen, wenn mein Kind weint, wenn mein Auto einen Plattfuß hat, oder wenn Tante Frida ihren Besuch für morgen ankündigt.
Geist II, den analytischen Verstand, benötige ich, um hinter die vordergründigen Dinge zu schauen, hinter die Handlungsebene, dort wo sich die Motivationen befinden. Immer, wenn ich dort angelangt bin, weiß ich die Zusammenhänge und benötige deshalb den hin- und herdenkenden Verstandesteil nicht mehr wirklich.
Analytischer Verstand heißt:
- Ich bin achtsam und beobachte alles was auf mich zukommt, alles dem ich begegne, sei es materiell oder energetisch.
- Ich nutzt diese neurologische Möglichkeit, um hinter die Dinge zu schauen: Ich fühle, spüre und erkenne die Falschheit, die Lüge, die Intrige, das Drumherummogeln, die List; aber auch die Not, das Elend, die Einsamkeit, die Hilflosigkeit.
- Ich erkenne das weinende Kind im Herrenmenschen und die Sehnsucht nach Glück in der Selbstentwertung.
- Ich qualifiziere das, was auf mich zukommt und mich zu verwickeln sucht in „heilsam” oder „nicht heilsam” (wie Buddha sagt) und nehme daraufhin an oder lehne ab. Dazu benötige ich keine Worte und keine Begründungen, denn ich handle aus meinem Innern heraus entweder so, oder so nicht.
- Der möglichst unverschleierten, realen Analyse, folgt die realitätsbezogene Handlung: Ich denke ja oder ich denke nein. Ich sage ja oder ich sage nein. Ich handle ja oder ich handle nein. Da ist niemand, dem ich mich rechtfertigen müsste, außer mir selbst.
Geist II ist allerdings nicht in dem Sinn „höher“, als er mich über andere Menschen stellen würde. Das wäre absolut falsch verstanden. Natürlich kann ich mir einbilden, Geist II zu besitzen, dies wäre aber traurigerweise ebenfalls eine Fiktion, wäre spiritueller Hochmut. Dieses durch ein scheinbares höheres Wissen vernebelte Ego nannte der Lama Chögyam Trungpa ‚spiritueller Materialismus‘: Ich meine etwas Geistiges zu haben, was andere nicht hätten und ich bin stolz darauf! Statt der unabdingbaren Ego-Reduzierung habe ich mir ein „höheres“ Ego hinzugefügt, eine spirituelle Luftblase.
Hochmut, auch in allerfeinster, kaum wahrnehmbarer Form, ist das untrügliche Zeichen, dass dieser Mensch noch an Geist I und an sein Ego gebunden ist, gleich was er sagt, gleich was er tut; er mag noch so bescheiden oder “spirituell“ daherkommen. Kann ich seine innere Gespanntheit wahrnehmen, dann fühle ich die Unstimmigkeit.
Geist II steht mit beiden Beinen auf diese Mutter Erde und nimmt die Herausforderungen des Lebens an. Es gibt keine Flucht in eine Traumwelt, in Hoffnungen und Wünsche, in nebulöse Vorstellungen. Mein Beobachter lebt und wirkt mit voller Kraft in dieser 3D-Welt und bezieht Energie und Inspiration aus dem Kosmos. Geist II ist nichts für Gutmenschen, die alles schönreden und in ihrem inneren, zwanghaften Irrwitz alles positiv deuten müssen.
Geist II ist dadurch gekennzeichnet, dass er einen Willen besitzt, der handlungsfähig ist und diesen Willen durchsetzt, – gegen die Stürme von außen und gegen die Dämonen im Innern. Dieses Bewusstsein höherer Ordnung, welches dem Beobachter eigen ist, kennt zu allem eine Wahlmöglichkeit, die durch den Willen entsteht, etwas zu tun oder etwas nicht zu tun, ja zu sagen oder nein.
Das Umhertreiben im Außenwind, die Impuls-Reiz-Reaktion, der wir ausgeliefert scheinen, hat ein Ende, wenn realisiert wird, dass es einen Willen gibt. Dieser Wille formt sich durch das höhere Bewusstsein bzw. dieses höhere Bewusstsein formt den Willen. Erst auf dieser Bewusstseinsstufe bin ich erwachsen geworden, bin ich reif geworden für das Leben, um klar abschätzen zu können, wie real meine Wünsche und Begierden sind. Erst hier kann ich erkennen was sie bewirken, wem sie zugutekommen, auf wessen Kosten sie gehen, welche Motivation hinter meinem Wollen steht und was mich tatsächlich antreibt.
Die erste Aufgabe dieses Willens ist, den Körper zu regulieren. Die sichtbarste Nicht-Regulation ist Übergewicht bis hin zur Fettleibigkeit. Hier versagt der Geist in dramatisch sichtbarer Weise, denn selbst das eigene Spiegelbild versetzt dem so verunstalteten Menschen keinen solchen Schock, dass er das Steuer herumreißen würde. Als Außen-Beobachter kann man nur mit Entsetzen ahnen, wie geschunden, hilflos und desorientiert der Geist dieses Menschen sein muss.
Es gilt also, den Geist zu regulieren, welcher dann als eine seiner ersten Aufgaben dem Körper zeigt, was ihm tatsächlich guttut. Dazu muss der Geist ruhig sein, zielgerichtet und geduldig. Dazu müssen die konditionierten Gewohnheiten überprüft und geändert werden. Das, was man „Charakter“ nennt, ist eine Summe von zwanghaften Gewohnheiten, die sich immer wieder abspulen und deshalb für normal gehalten werden.
Durch meinen Willen löse ich mich von meinen Sinnen und von meinen Konditionierungen als Befehlsorgane und stoße in ein Bewusstsein der Freiheit: Freiheit von Außensteuerung, Freiheit von Fremdimpulsen, – auch Freiheit von charakterlicher Eigen-Konditionierung. Ich versuche meinen bewussten Willen auszudehnen, bis tief in mein Unbewusstes hinein. Ich bin kein Automat mehr. Ich spule nicht mehr die falsche Software ab. Und um dahin zu gelangen, installiert der Wille seinen Beobachter.
Aspekt V – Meinen Beobachter installieren
Der Vorgang, in meinem Bewusstsein den höheren, analytischen Beobachter zu installieren, ergibt eine dramatische Veränderung meiner Lebensperspektive. Dieser Beobachter war die ganze Lebenszeit schon vorhanden, doch, um mit dem Physiker David Bohm zu sprechen, er war nicht aktiviert, er war „eingefaltet“. Nun, durch den Akt meines Willens, ist er ausgefaltet und gibt meinem Geist erkennende Impulse, die vorher nicht vorhanden waren.
Ich bin jetzt in der Lage, zu erkennen, was um mich herum im Außen tatsächlich vor sich geht, weil ich nun hinter diese vordergründige Ebene blicken kann und die Motivationen zum Handeln erkenne. Und, noch weitergehend: Ich bin jetzt in der Lage, zu erkennen, was in mir selbst, in meinen Gedankenkonstruktionen, in meinem Gefühlshaushalt vor sich geht.
Ich kann jetzt auf mein erstes inneres Etappenziel zusteuern, das da heißt: „Ich will denken was ich will!“ Keine Fremdsteuerung meiner Gedanken mehr! Dieser mein surrender Bienenstock im Kopf wird meinem Bewusstsein untertan, wird zu meinem Diener. Ich bin sein Herr!
Ich beobachte, dass ich mich mit Dingen identifiziere, die ich nicht bin.
Ich identifiziere mich mit dem eigenen Körper: Natürlich bin ich eigener Körper, aber nicht wirklich. Ich habe einen Körper.
Ich identifiziere mich mit meinen Gefühlen, meinen Emotionen. Gefühle kommen und gehen, sie entstehen und verschwinden. Ich bin nicht Gefühl, ich habe Gefühle.
Ich identifiziere ich mit meinen Plänen, meinen Absichten, meinen Meinungen, eben mit meinen Gedanken. Ein Gedanke kommt, bleibt eine Weile und geht dann. Es kommt und geht ein Gedanke, dann der nächste, dann der nächste. Ich bin nicht meine Gedanken, ich habe Gedanken.
Als Beobachter trete ich aus meinem System heraus und beobachte mich von außen. Ich trete einen Schritt zurück und bin Zeuge dessen was ich tue, denke, fühle.
Beim „Mich-selbst-Beobachten“ geschieht eine grandiose Umwandlung hin zur Bewusstheit:
- Das Ego-Ich dreht und windet sich, denn es entsteht an seiner Stelle eine neue, umfassende Qualität: Wo vorher „Ich“ war ist jetzt „Sein; wo vorher „Die Anderen“ waren ist jetzt „Wir“.
- Beim Beobachten stellt der Ratterkasten Verstand seine umhersummende Tätigkeit ein und fokussiert sich auf das, was ich tue. Der Verstand gibt langsam seinen Geist auf und ist Zeuge, – sonst nichts.
- Als Beobachter kann ich nur Jetzt-Momente beobachten, was jetzt geschieht, was jetzt real ist. Was ich nicht beobachten kann vollzieht sich nicht auf dem Boden des Jetzt, auf dem Boden des Tatsächlichen.
- Was nicht auf dem Boden des Jetzt passiert, kann ich getrost vergessen, denn es ist Fiktion, nicht existent, irreal, virtuell und spielt sich nur in meinem Denken ab.
- Der Beobachter sucht keine Lösung mehr, – er ist die Lösung. Der Beobachter löst das duale Denken des Verstandes Stück für Stück auf und die ultimative Erkenntnis rückt immer näher: alles ist eins.
Das Einzige was es zu lernen gibt ist totale Aufmerksamkeit, ist das Beobachten. Nur dies ist tatsächliches, ist existentielles Lernen.
Ich beobachte
- wie ich mich bewege und welche Körperhaltung ich habe.
- welche Körpersprache ich spreche.
- alles, was ich tue.
- was ich wie spreche.
- den einzelnen Gedanken, wenn er kommt, was er bewirkt, wenn er geht.
- mein Haben-Wollen, mein Verlangen nach etwas (wer oder was hat es ausgelöst?).
- meine aufwallenden Emotionen in bestimmten Situationen (warum reagiere ich so?).
Durch Beobachten beginnt der Prozess, welcher das Problem löst. Dieser Schlüssel muss unbedingt verstanden werden! Verstehen, was da vor sich geht und weshalb sich etwas gerade so darstellt, treibt den Lösungsprozess weiter.
Klarheit („Klarblick“) und Verstehen ersetzen die herkömmlichen Lösungen eines Problems, denn mein Problem ist nur vorhanden, weil bei mir keine Klarheit vorhanden ist.
- Durch Klarheit und Verstehen wird eine Sache erst gar nicht zum Problem, das dann irgendwann einer Lösung bedarf.
- Ein Problem entsteht, weil mein Verstand etwas falsch beurteilt hat, weil ich mich von Emotionen habe hinreißen lassen, weil ich Zusammenhänge nicht verstanden habe.
- Habe ich aktuell ein Problem, dann hilft mir die Distanz, die ich zwischen mich und mein Problem schiebe: Ich beobachte, wie und warum ich mit dem Problem verbunden bin und löse die Verbindungsfäden.
- Manchmal lässt sich ein unlösbar scheinender Knoten nur mit dem „Schwert der Wahrheit“ scharf und schnell lösen. Das kann sehr schmerzhaft (für alle Beteiligten) sein.
- Genau das ist Meditation und meditatives (tagtägliches) Handeln: eine Distanz, einen Raum zwischen mir und meinen Problemen zu schaffen.
Wenn mein Selbst die sich nicht drehende, bewegungslose Achse meines Lebensrades ist, erkenne ich die Probleme als mir nicht zugehörig. Die Probleme sind nicht ich. Es sind Schmerzpunkte im Weltengetöse. Allerdings können diese sehr nahekommen. Deshalb gibt schon Lao Tse in seinem Tao Te King Vers 64 den Rat: „Man muss auf eine Sache einwirken, bevor sie entsteht. Man muss eine Sache ordnen, bevor sie verwirrt ist.“
Aspekt VI – Was ich an mir und in mir beobachte kann ich verändern
Dass ich meine Gewohnheiten verändern kann bis hin zu dem, was man Charakter nennt, ist Basiswissen. Dass ich ebenso meine Körpermaterie inklusive meines Aussehens verändern kann, das wissen wenige. Die meisten wissen nicht einmal wie sie aussehen; sie kennen ihre Körperhaltung nicht, ihre Art sich vorwärts zu bewegen (oft kann man von tatsächlichem Gehen kaum noch reden). Sie sehen einfach nicht ihre Verfettungen oder in der Gegenrichtung ihr Ausgezehrtsein, ihre verzogene Muskulatur, ihre verkrampfte, oft verhärtete Gesichtsmuskulatur usw.
Oft hat man den Eindruck, dass manche Menschen überhaupt nichts mehr sehen; als seien sie Blinde, lassen sie sich von Außenkräften treiben, ohne eigene innere Kraft.
Der springende Punkt ist tatsächlich die Wahrnehmung: das zu sehen, was tatsächlich ist. Es ist auf diesen einfachen Punkt zu bringen: In dem Moment, in dem ich die tatsächliche Realität im Außengeschehen wie in meinem Körper ausblende, verliere ich meine Fähigkeit als echter Mensch zu handeln. Ich bin als handlungsfähiges Geschöpf Gottes in jenem Moment verloren, wenn ich meine Probleme nicht selbst löse, sondern diese an Fachleute im Außen abgebe.
Noch niemals hat ein Arzt einen kranken Menschen heilen können! Wenn es ein guter Arzt war, dann hat er dem Menschen einen Weg gezeigt, wie dessen Körper die Krankheit besiegen könne. Immer nur der eigene Geist und der eigene Körper des Kranken kann sich heilen.
Und noch eine wesentliche Erkenntnis: Damit der Körper sich heilen kann, muss sich gleichzeitig der Geist im Heilungsprozess befinden. Der Geist muss in diesem Falle vorneweg die Dimension der Verursachung einer Krankheit erkennen, damit der Körper dann diese Erkenntnis in Heilung umsetzen kann. Das ist natürlich mit Arbeit an sich selbst verbunden! Die Umsetzung dieser Erkenntnis fliegt niemandem zu, so wenig jemand von außen irgendetwas in mir „löschen“ kann. Sollte ich jedoch tief in meinem Innern an einen solchen Löschvorgang glauben, dann kann dies tatsächlich geschehen. Jede Geistheilung, wenn nicht eine tatsächliche und physikalische Energieübertragung erfolgt, funktioniert nach diesem Prinzip der Selbstheilung. Und wenn der Geistheiler es schafft, hochschwingende Heilenergie dem Kranken zu übertragen, dann kann es diesen sicherlich aus einer akuten, vielleicht lebensbedrohlichen Situation retten, aber danach muss zwingend die eigene Arbeit des Kranken an sich selbst beginnen.
Dies ist der Weg: Beobachten – Erkennen – Selbsterkennen – Verstehen – Zerbrechen der Blindheit – Veränderung durch Handeln.
Diese Handlungskette kann nicht in unserem Bildungssinne „gelernt“ werden. Man kann sie sich nicht „aneignen“. Es gibt keine Gebrauchsanweisung die zum Erfolg führt, wenn man nur alles richtig macht.
Es zählt bei diesem Vorgang nicht einmal das drängende Bemühen, etwas erreichen zu wollen, etwas mit Macht verändern zu wollen. Das Verstehen und das Zerbrechen der Blindheit stößt die Dimension hinter dem Geschehen an, die ins Geschehen hineingreift. Das Verstehen ist die neue Triebfeder des Handelns, nicht mehr das Wollen. Durch Verstehen geschieht alles aus sich selbst heraus (Das schwierige Kapitel einer Suchtbefreiung sei hier erwähnt. Es ist, aus meiner eigenen Erfahrung heraus, der einzige wirkliche Weg der Befreiung).
Ich kann mich auf diesem Weg tatsächlich von innen heraus so grundsätzlich verändern, dass mein Charakter ein völlig anderer wird, als er vordem war. Etwas, was fest schien wie ein Fels, veränderte sich durch Beobachtung.
Was geschieht? „Wir dürfen nicht vergessen, dass alles, was wir beobachten, zuerst einmal durch unseren Geist, also durch unsere Äonen hindurchmuss, wo es mit dem äonischen Wissen in Berührung kommt; jede neue Information muss sich solcherart in die schon vorhandenen Informationen, die Millionen Jahre alt sein können, einfügen. Das, was dann an die Bewusstseinsoberfläche dringt, ist nicht mehr die Beobachtung als solche, sondern das, was unser innerstes, unser unbewusstes Ich, daraus gemacht hat.“ (9)
Der entscheidende Veränderungsimpuls liegt darin, dass der Beobachter die Verkettung von Denken (Denkzwang mit Bewertung) und daraus resultierendes Handeln (Handlungszwang) zerreißt. Dieser Zusammenhang, der vorher unkontrollierbar war, wird ersetzt durch das bloße, nicht bewertende Beobachten. Ich schaue meine innere Angst an, lasse zu, dass sie in mir wirkt, dass sie mich erfasst, dass sie mich durchflutet. Ich nehme Verbindung zu ihr auf, ich spreche sie an, ich nehme sie in den Arm. Ich bewerte sie nicht, ich denke nicht über sie nach, ich gebe ihr keine Bezeichnung, ich fälle nicht das Geringste Urteil, suche keine Begründung und schon gar keine Schuld; – ich schaue die Angst an und lasse sie in mir wirken. Auch wenn sie meinen Körper scheinbar verkrampft und sie wie eine Giftwolke durch mich hindurchzieht, weiche ich keinen Millimeter. Ich vertraue ohne Zielsetzung. Dann verschwindet die Angst.
Warum? Ich habe eine totale Verbindung zur Wirklichkeit aufgebaut und sie mit meinem uralten inneren Wissen verknüpft. Ich beende dadurch meine Flucht, ich halte den Schmerz des Fühlens nicht nur aus, ich nehme ihn an; ich erkenne mich selbst. Jetzt löst sich das gespeicherte Leid und die Angst kommt niemals in dieser erlebten Ausformung wieder.
Ich gehe auf Empfang.
Ich gehe über den wiederkäuenden Denkspeicher hinaus, ich gehe auf „Empfang“, ich stimme mich ein auf die kosmischen Frequenzen der Intuition. Wie ich diese empfange? Durch ein sehr waches, intelligentes, aufmerksames Gewahrsein, durch tiefes Schauen in die Wirklichkeit. Das Empfangen, das hinter dem Denken liegt findet seinen Weg in mein klares analytisches Gehirn. Dort nun liegt es an mir, wie ich diese „kosmische Einflüsterung“ in tatsächliches Tun umsetze.
Erläuterungen:
(1) Jean Émile Charon: „Tod, wo ist dein Stachel?“, Ullstein Sachbuch 1983; S. 24
(2/3) ebd. S. 211;
(4) Janus, Ludwig: „Wie die Seele entsteht“, dtv1993, S. 146
(5) Grof, Stanislav: „Geburt, Tod und Transzendenz“, rororo 1993, S. 45
(6) Zitiert nach: Kupfer, Karl-Heinz: „Kosmische Energien“, S. 90
(7) Capra, Fritjof: „Das Tao der Physik“, Knaur 1997, S. 303
(8) Steiner, Rudolf: „Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen – Die Schwelle der geistigen Welt“, 7. Auflage 1982, S. 97
(9) Jean Émile Charon: „Tod, wo ist dein Stachel?“, Ullstein Sachbuch 1983; S. 172





