Wer bin ich? Bin ich mein Geist?

Physikalisch gesehen bin ich mein Elektronenfeld. Das Bewusstseinsfeld dieser meiner Elektronen ist ungeheuerlich groß: meine ca. 50 Billionen Körperzellen (als Erwachsener) multipliziert mit 100 Milliarden Elektronen. Dieses Elektronenfeld-Bewusstsein, das bin ich, das ist mein Ich.

Mein von der Evolution erschaffener Organismus, der dermaßen präzise und in Lichtgeschwindigkeit je Sekunde Abermillionen intelligente und vernünftige Entscheidungen trifft, der „Chemiefabriken“ und Logistik kontrolliert, der sich fürs Erste keinen Deut darum schert, ob mir all diese Arbeit passt oder nicht, weil er nach einem übergeordneten Plan arbeitet, dieser Organismus ist kein feststehendes Ich. Er entzieht sich kommentarlos einem solchen törichten Ansinnen. Aber was ist er dann?

Mit all jenen automatisch ablaufenden Körperereignissen gekoppelt ist das, was wir „Geist“ nennen. Er wird, so erscheint es uns, im Gehirn erzeugt, wobei wir heute messtechnisch einiges feststellen können. Das menschliche Gehirn ist fest an das elektromagnetische Erdfeld angekoppelt, mit seiner berühmten, von dem Physiker Schumann entdeckten Frequenz von 7,83 Hertz. Im Bereich von 8 Hz bis 13 Hz liegen die so genannten Alpha-Wellen des Gehirns, die einen meditativen Zustand widerspiegeln. Der Beta-Wellenbereich von 14 Hz bis 18 Hz ist der Zustand des logischen Denkens und des überlegten Handelns. Der Gamma-Bereich zeigt Erregung, Aggression, aber auch depressives Verhalten.

Messtechnisch können wir also wiederum an Hand eines qualifizierten Stromflusses bestimmte somatische und psychische Verhaltensweisen feststellen. Unser Geist scheint so etwas wie ein Handlungsspielraum zu sein, der uns in die Lage versetzt, übergeordnet über die autonomen Zellfunktionen hinaus tätig zu werden. Definiert man nun sein „Ich“ als diese Handlungsfähigkeit, dann könnte dieses Ich der Wille sein, etwas tun zu wollen.

Dieser Wille, dieser Tun-Drang ist vielleicht die Kennzeichnung des Geistes, denn ohne diesen Drang geschieht, über die reine zellulare und autonome Lebenserhaltung hinaus, überhaupt nichts. Ich bestimme mit meinem Willen, mit meiner Motivation den Geist; dieser bestimmt mein Handeln und dieses wiederum bestimmt durch Rückkoppelungseffekte das, was scheinbar von außen auf mich zukommt. C.G. Jung sagt dazu: „Wenn die Ereignisse um mich fehlerhaft verlaufen, dann stimmt mit mir etwas nicht.“

Durch die Art, durch die Qualität meines analytischen Denkens auf dem Boden der Realität forme ich meinen Geist, also meine Elektronen in eine Zielrichtung, welche der Materie, der Körperchemie Handlungsanweisungen gibt. Es erfolgt

  • a) im Innen eine Umsteuerung im Körpergewebe und
  • b) eine Umsteuerung im Außen so dass meine Handlungen sich verändern.

Deshalb heißt mein Fundament: Ich denke nie mehr unbewusst! Ich bringe mein Denken unter meine Kontrolle und beende das unbewusste Denken. Ich steuere mit meinem Bewusstsein meinen Geist. Ich gebe mit meinem Willen Anweisungen in die Zukunft hinein, im Innen wie im Außen.

Der kleine Bruder denkender Verstand mit seinen bewussten 20 Milliarden Neuronen bittet seinen großen Bruder Körpersteuerung mit seinen nicht bewussten 180 Milliarden Neuronen, die Leistungsfähigkeit zu erhalten oder Schadstellen zu beseitigen, indem er die entsprechenden Informationen an die 50 Billionen Zellen sendet. Dieser Weg ist das Zurückholen der verlorenen Kommunikation der menschlichen Bewusstseinsebenen.

Der Geist, im Gehirn angesiedelt, erhebt sich über die autonomen Regelkreise der Nervenzellen und trifft, so scheint es, originäre Entscheidungen; es kommt zu individuellen Prägungen von Denkmustern, welche das Handeln bestimmen. Wer den Geist des Menschen beherrscht, der herrscht über diesen. Dies wussten schon in allen Kulturen die Priester und die Fürsten, diejenigen, welche die Masse in ihrem Sinne lenkten. In der Vergangenheit geschah dies meist mit sichtbarer Gewalt, mit „Feuer und Schwert“. Heute, in unseren westlichen Gesellschaften wird diese Gewalt für uns in der Regel unsichtbar ausgeübt und hinter „Gutsein“ versteckt.

Man hat in moderner Zeit einen Mechanismus gefunden, um die Gehirne des Volkes mit Unsinnigkeiten und Ängsten so zu überladen, dass die rund 10 Milliarden grauer Zellen des Großhirns nachgerade verstopft sind. Es fließt keine Energie mehr, die eigene Entscheidungen produzieren kann. Der manipulierte Mensch schließt sich Mehrheitsmeinungen an, die vom Herrschaftssystem gesteuert sind, plappert diese nach und funktioniert ganz und gar freiwillig so, wie er funktionieren soll. Unsere Manipulatoren haben für jedes geistige Niveau Parallelwelten geschaffen, fern der tatsächlichen Realität, die in sich logisch sind und deren Benutzer sich für authentisch handelnde Menschen halten, obwohl sie weit davon entfernt sind. Die politische Klasse ist das augenscheinlichste und könnte wegen der Machtmittel das gefährlichste Beispiel einer solchen parallelen Scheinwelt.

Denken ist ein energetischer Prozess, in welchem Informationen als elektrische Impulse bearbeitet werden. Die Gehirnstruktur des Menschen ist weitgehend durch die Erbanlagen bedingt. Mit ihnen gehen Hand in Hand Erlebnisinhalte, Erlebnisstruktur und Erlebnisintensität seit der Zeugung einher, – das was man Psyche nennt.

Als nächste starke Einwirkung auf den Geist ist die Seele („Atman“, „das Selbst“) zu nennen, eine vorhandene Informationsstruktur der Evolution, die jeder Erdenbürger mit hierhergebracht hat. In diese Seele integrieren sich dann die derzeitigen persönliche Erlebnisse, das persönliche Karma und formen diese Seele somit weiter.

Geist interagiert also innerhalb seiner materiell/neurologisch vorgegebenen Struktur mit seinem

  • a) sozusagen materiellen Seelenteil, der mit der Zeugung beginnt und in der Psychologie als persönliches Unbewusstes gilt und seinem
  • b) sozusagen re-inkarnativen Seelenteil, der die ganze Evolution beinhaltet, bis hin zu diesem bestimmten Menschen als Endpunkt.

Das, was ich hier in Ermangelung einer anderen, vorgegebenen Begriffsbildung „materielles Seelenteil“ nenne, dies sind alle wirkenden, aber nicht mehr bewussten Kräfte seit der Zeugung. Der Psychoanalytiker Ludwig Janus beschreibt diese Seelenentstehung in beeindruckender Weise und weist darauf hin, dass wir immer „die Welt aus der Totalität unserer ganzen Lebenserfahrung heraus (erleben), auch unserer Vorgeburtlichen. Ja, gerade diese kann ein Wurzelgrund unserer tiefsten Wünsche und Befriedigungen sein, wie die Erfahrungen und die Meisterung der Geburt ein Ausgangspunkt unserer Fähigkeit zu immer neuer elementarer Bewährung ist.“(1)

Unser Geist, durch nichts und niemanden getrübt, ist nicht das Produkt und nicht eine Ergänzung oder ein Abkömmling unseres Körpers, unser Geist ist eine Kommandozentrale, mit der wir unseren Körper beeinflussen und steuern können.
Stanislav Grof, Dr. med. und Dr. phil., sagt dazu: „Diejenigen, die ursprünglich die Materie als die Grundlage der Existenz ansahen und den Geist für ihren Abkömmling hielten, können zunächst entdecken, dass das Bewusstsein ein unabhängiges Prinzip im Sinne des psychologischen Dualismus darstellt und es schließlich als die einzige Realität akzeptieren.“ (2)

Geist beziehungsweise Bewusstsein sind also unabhängige Prinzipien, sind eigene Realitäten, die tatsächlich „Berge versetzen“ können und die Krankheiten heilen. Es ist eben so, dass der Geist den ansonsten autonom arbeitenden Zellen eine klare zusätzliche Handlungsanweisung gibt, die diese dann ausführen.

Der folgenden Ausführung des Physikers Fritjof Capra ist nichts hinzuzufügen: „Jede Weisung unseres Geistes löst in unserem Körper einen riesigen Komplex von Steuerungs- und Regelmechanismen aus, die hinab bis zur Ebene der Zellen wirksam sind. Auf diese Weise nimmt unser Geist und die Art unseres Denkens einen unmittelbaren Einfluss auf alle Geschehen unseres Körpers, selbst auf diejenigen, die sich innerhalb der Zellen abspielen.“(3)

Eine weitergehende Frage müsste jetzt gestellt werden: Woher erhält der Geist seinen Impuls, so oder so tätig zu werden? Oder: wieso wird der eine Geist im Sinne der Selbst-Heilung tätig und der andere im Sinne der Selbst-Zerstörung? Wer ist der Impulsgeber des individuellen menschlichen Geistes, des Bewusstseins?

Der erkennende, der weise Mensch, der um die Kraft seiner unzerstörbaren Seele weiß, bezieht seine Impulse von dieser. Sie ist das Bindeglied zum alles umfassenden göttlichen Quantenfeld, sie ist darin „eingefaltet“, sie ist Bestandteil des Feldes.

Der nicht erkennende Mensch erhält seine Geist-Impulse (soweit man dies so nennen kann)

  • von seinen Manipulatoren (er ist dann fremd- und außengesteuert);
  • von seinen ursprünglichen „lebensrettenden“ Impulsen oder von seinen Fluchtmechanismen aus der Kindheit;
  • von alten, einschränkenden Glaubenssätzen, die vielleicht einmal stimmig waren, jetzt aber unsinnig geworden sind.

Bis dahin sind die Ergebnisse, die wir durch Bewusstseinserweiterung des Geistes auf der Körperebene erreichen können schon gewaltig. Und es funktioniert! Nicht nur bei mir, der ich keine Lebenserwartung mehr hatte (Siehe: „Der Weg – Meditationen zur Selbstheilung“ Video Nr.1). Nachdem ich durch Autosuggestion mein Leben total umkrempelte und meinen Körperzellen die steuernden Anweisungen gab, wurde der Krankheit gänzlich der Nährboden entzogen.

Betrachten wir noch einmal die prinzipiell autonom arbeitenden Zellen: Der Antrieb der Körperzellen, ihr Handlungsanstoß bestimmte Dinge zu tun oder nicht zu tun, kommt aus dem Universum, mit dem die Zellen in dauernder Verbindung durch den Photonensog in ihren Zellkernen stehen. Die Intelligenz unseres Körpers kommt also aus dem Universum. Nach dieser Logik ist der Schluss zwingend, dass es deshalb kein eigenständiges, abgeschlossenes, individuelles „Ich“ geben kann.

Es sind die Elektronen um die Atomkerne, die uns steuern, es ist das morphogenetische Feld, in welchem die Baupläne aufbewahrt sind, das uns steuert, es sind die Photonen und die Neutrinos/Strings, in welchen die Baupläne überbracht werden, die uns steuern. Ist unsere Mutter Erde mit all ihren Kindern ein großes Elektronenexperiment, wie ein Physiker spekuliert?

Jedenfalls ist es der Geist, der die Materie hervorbringt. Ein für uns unvorstellbar großes geistiges Etwas, das wir in unserer Strukturbedürftigkeit gerne als Wesen oder als Gott betrachten, erschafft und erhält eine gewisse Zeit alles was da ist. Diese „gewisse Zeit“ ist die Zeit, in der ich mich als „Ich“ betrachte, von der wir meinen es gäbe so etwas wie zum Beispiel ein „Baum-Ich“, ein „Hunde-Ich, ein „Menschen-Ich“ (manche Menschen sind sogar dem Wahn verfallen, nur ein Mensch habe ein „Ich“ oder eine Seele).

Beeindruckend treffen sich hier Buddha (der dies alles vor über 2000 Jahren aus einer Erkenntnis heraus formuliert hat) und die moderne Physik: Alle Phänomene dieser Welt sind Manifestationen einer von uns nur erahnbaren geistigen Größe.

Ein so großer Physiker wie Frithjof Capra schreibt, dass dieses Erkennen und Hinwenden zum göttlichen Prinzip „für mich zu einer Quelle dauernder Freude und Inspiration wurde; der Erfahrung, dass die Grundtheorien und Modelle der modernen Physik zu einer Weltanschauung führen, die innerlich stimmig ist und mit den Anschauungen der östlichen Mystik vollkommen harmonisiert.
Für diejenigen, die diese Harmonie erfahren haben, gibt es keinen Zweifel an der Bedeutung der Parallelen zwischen der Weltanschauung der Physiker und der Mystiker. Die interessante Frage ist dann nicht,
ob diese Parallelen existieren, sondern warum, und weiter, was daraus folgt.“ (4)

Was nun die Fragestellung Capras betrifft, so muss jeder von uns selbst für die Beantwortung, für seine persönliche Antwort Sorge tragen. Dazu hilft uns ungemein das, was wir „Geist“ nennen, unser Bewusstsein, das, was im Großhirn an Inhalten, an Gedankenfähigkeiten erzeugt wird bzw. was wir zur Bearbeitung zulassen.

Vorsicht, wenn wir „Bewusstsein“ sagen. Wir implizieren in diesen Begriff eine gewisse Ein-Dimensionalität, so als wäre unser Bewusstsein ein Ding oder ein Zustand oder eine Sache, über die wir, je nach Erkenntnislage, in verschiedenen Qualitäten verfügen: Im Vakuum, also im „leeren“ Raum zwischen den Verdichtungen, die wir Atomkern oder Elektronen nennen, sind unzählige Quantenmöglichkeiten vorhanden. Natürlich wird nur eine für uns zur Realität, weil sie die „Verdichtungen“ beeinflusst (die wir irgendwann vielleicht messen können, wenn es ein Messgerät für diese Manifestation gibt).

Diese Realität ist dann eine Möglichkeit und nicht die Möglichkeit (siehe Murray Gell-Manns „Viel-Historien-Interpretation“). Analog dazu gibt es die „Viel-Bewusstseins-Hypothese“, die da sagt, dass jeder Beobachter nicht lediglich ein Bewusstsein hat. Unsere vielen Möglichkeiten der Erfahrung erlauben uns, viele Bewusstseins-Zustände zu haben (Bewusstseins-Zustands-Möglichkeiten).

Kurz und auf den Punkt gebracht: Mein Bewusstsein verändert sich durch die Fragen, die ich an das Leben stelle. Und mein aktuelles Bewusstsein ist Information, die sich für mein Geschehen im Körper zur Verfügung stellt. Bewusstseinsinhalt ist Impulsgeber für physikalische und dann chemische Reaktionen, die materielle Auswirkungen nach sich ziehen.

Eine ganz praktische Frage gilt es da noch zu klären: Wie erlangt mein authentisches Ich die Kontrolle über mein Denken?

Immer wenn ich denke, ergibt sich eine energetische Konstruktion, eine Elektronenwolke, welche bestimmte Kräfte an sich zieht und an sich bindet, gemäß den Gedanken, welche ich hinausgedacht habe. Diese Kräfte sind immer dualistisch, das heißt sie können mir helfen oder sie können mir schaden.

Ich muss also, wenn ich Kontrolle über mein Denken erlangen will, mein Denkvermögen beherrschen. Dieses Denkvermögen ist der Registrierapparat und dieser besitzt beim Menschen ohne Erkenntnis keine eigene Realität. Dieser Mensch fühlt sich mit diesem Denken identisch; er meint, er sei dieses Denken, er kann keinen Abstand dazu herstellen.

Diese „Apparatur“ ordnet die physische Welt und die mentale Welt. Sie bringt alles was uns unsere fünf Sinne mitteilen zueinander in Beziehung, soweit wir dazu fähig sind. Das Denkvermögen erschafft begriffliche Zusammenhänge und Vorstellungen von etwas. Dies alles auf einer nicht-schöpferischen Ebene: Es wird registriert was sich (um sich) zuträgt, dann wird von diesen Mitteilungen Kenntnis genommen, um sie aufzubewahren.

Die energetische Richtung ist also hier von außen nach innen. Die inneren Folgen der Kenntnisnahmen sind Emotionen, sind Gefühle und Wünsche, die ebenfalls registriert und gespeichert werden. Bei Menschen mit permanenter Daseinswut (die sie haben, ohne es zu realisieren) ist das innere „Fass“ ständig am Überlaufen. Die unaufhörlich erlebten Angriffe von außen werden ständig explosionsartig zurückgewiesen: immer findet Reaktion auf scheinbar äußeren Angriff statt.

Beim Menschen ohne Erkenntnis, der sich durch emotionale Reaktionen treiben lässt (und der somit vorzüglich zu manipulieren ist), fehlt eine wichtige Bearbeitungsstufe nach der Registrierung, die Analyse dessen, was im Innen ankommt. Diese Analyse ist eine Methode genauer Wahrnehmung und zur Weiterentwicklung unerlässlich. Sie ist dazu da, um mein Denkvermögen gegen äußere Einflüsse unempfindlich zu machen. Sie ist dazu da, um meine Aufmerksamkeit zielgerichtet zu formen.

Mit der Analyse erhalte ich eine Kontrollmöglichkeit über die ankommenden Informationen meiner fünf Sinne, die ich dann als die entsprechenden Reize identifizieren und benennen kann. Ich kann sogar mit ihnen sprechen, wenn sie ankommen: „Aha, schon wieder ein gieriger Gedanke, weg mit dir!“ Fluchtartig nimmt dann dieses Verlangen Reißaus.

In der Analyse müssen wir zwingend die Kontrolle über das Denken, das heißt über die Gehirnprozesse erlangen, damit das Gehirn eine neue Feinfühligkeit bekommt. Statt der plumpen Außenreize soll es die feinen Innenreize erkennen, nur so können wir von Außensteuerung auf Innensteuerung umschalten. DerGeist wird fähig gemacht, die Sprache der eigenen Seele zu hören, um sie dann verstehen zu lernen. Das Denkvermögen erhält eine ganz neue Inhaltlichkeit mit dem Ziel, dass es mit meiner Seelen-Energie arbeiten kann. Das heißt: eindringen in die Welt der Ursachen, erkennen, was hinter einer Form liegt, aufspüren der Wirklichkeit.

Rudolf Steiner spricht vom Vertrauen der Seele in das Denken: „Selbst im Sturme der Leidenschaften und Affekte kann eine gewisse Ruhe eintreten, wenn sich das Seelenschiff bis zur Insel des Denkens hingearbeitet hat. Die Seele hat ein natürliches Vertrauen zum Denken.“ (5)

Mein Denkvermögen verlässt jenen statischen abgeriegelten Bereich, wie ihn Pädagogik, Schule und Erziehung scheinbar zementiert hat und stößt vor in das Wesentliche. Der Inhalt des Wesentlichen ist etwas zu verstehen, nicht etwas zu lernen. „Normales“ Lernen – das was wir landläufig „Wissen“ nennen, geht den Weg von außen nach innen, ist nachsagen, was andere vorgesagt haben. Verstehen geht von innen nach außen. Verstehen ist, wenn ich einer Sache einen Sinn geben kann, wenn ich einen Zusammenhang begreife. Verstehen ist echtes Lernen, ist ein schöpferischer Prozess, der von mir ausgeht.

Bringt man das Gesagte in ein Verstehensbild, dann wäre da evolutionär zuerst unser Instinkt, jenes kollektive Verhalten, das unter der Bewusstseinsschwelle arbeitet und umfassende Intelligenz besitzt. Jetzt käme der Intellekt, das Wissen das ich mir, von außen kommend, angeeignet habe. Habe ich viel auswendig gelernt und kann dies im passenden Moment abrufen, gelte ich als intelligent. Somit kann ich alles wissen, ohne das Geringste zu verstehen. Gelingt mir dieses Abrufen nicht oder habe ich wenig auswendig gelernt, gelte ich als dumm.

Dieser Intellekt nimmt beim durchschnittlichen Menschen den ersten Platz ein. Wie wir gesehen haben und noch sehen werden, ist dieser Intellekt ganz wichtig, um uns auf eine höhere Ebene zu transformieren, – wir dürfen ihn nicht gering achten! Wir brauchen den Intellekt als Arbeitsebene, nur müssen wir ihn mit neuen Denkinhalten füllen, Denkinhalte, die von unserer Seele kommen, die wiederum vom morphogenetischen Feld, vom göttlichen Quantenfeld gespeist wird. Somit ist dann unser neurologischer Denkapparat mit der Verursachung der Welt verbunden und der Intellekt erhält eine gänzlich neue, transformierte Qualität.

Dies heißt nicht, dass wir von einer neuen „Heiligkeit“ ergriffen werden, dass wir „abheben“, dass wir uns absondern um von nun an „spirituell“ zu werden. Gerade jetzt werden wir uns nicht „höherwissend“ trennen von all unseren Brüdern und Schwestern, denn dann hätten wir rein gar nichts verstanden. Dies wäre ein Zeichen dafür, dass unsere Spiritualität von außen kommt, dass sie angelernt ist, dass ich vielleicht einem „Meister“ nachbete, dass ich eine Religion brauche.

Jeder, der seine Spiritualität dazu benutzt, um sich von seinen leidenden Mitmenschen abzuheben, ist auf einem vergeblichen Weg. Wer echte Erkenntnis besitzt, der tut seine Arbeit wie jeder andere auch, – nur tut er sie von innen her anders, weil er diejenigen Kräfte erahnt, welche der physischen Welt zu Grunde liegen, weil er weiß, dass alles was wir sehen nur die Formgebung einer Idee ist, weil er weiß, dass alles aus Licht besteht.

Dies ist spirituell: Das Wissen um die Verursachung unserer Welt der Erscheinungen, – die Welt der Quanten, der Neutrinos, der Strings und der Photonen: die Welt der tanzenden Energie (Elektronen gebärend, Atome und Moleküle): die Welt des Lichts.

Durch den nun evolutionär wesensmäßigen Gebrauch des Intellekts (durch den Intellekt der neuen Evolutionsstufe des kosmischen Bewusstseins) öffnet sich mir durch dieses geistige Tor die Welt der Seele. Ich stoße vom Unwesentlichen vor zum Wesentlichen, vom Unwirklichen zum Wirklichen, von der Dunkelheit zum Licht, vom Sterblichen zum Unsterblichen.

Wir, die wir nun mal mit unseren fünf Sinnen operieren müssen, müssen die anderen Empfindungen suchen, die andersartigen, welche über die fünf Sinne hinausgehen: die Dinge hinter den Dingen, das Unsichtbare hinter dem Sichtbaren, den Ursprung der Dinge. Wir müssen vom Natürlichen zum Übernatürlichen vorstoßen. Wenn wir „natürlich“ als die derzeitige Erkenntnisstufe definieren, dann ist „übernatürlich“ jene höhere Erkenntnisstufe, die uns momentan noch nicht zugänglich ist. Dorthin müssen wir gelangen.

Einfache Verstehensbilder dazu: Für den Löwenzahn ist die Kuh übernatürlich, für den Regenwurm ist der Maulwurf übernatürlich, für meinen Hund bin ich übernatürlich, für mich als materielles Wesen ist das Nicht-Materielle übernatürlich.

Woran wir mit unserem Geist arbeiten ist eine nicht-materielle Geisteshaltung, eine wahre religiöse Geisteshaltung. Diese unterscheidet einen spirituellen Menschen von einem materiellen Menschen.

Der spirituelle Mensch unterliegt nicht mehr der Fremdbestimmung; jede Verpflichtung, die nicht von innen kommend erkannt wird, wird nicht mehr als solche akzeptiert:

  • Alle meine äußeren Verpflichtungen erhalte ich von meiner inneren Instanz; ich weiß, alle Kräfte gehen von innen nach außen.
  • Meine innere Ethik macht mich authentisch, ist die Begründung meines Denkens, meiner Motivation, meiner Arbeit, meiner Vorstellungen, meines Wesens.
  • Meine innere Ethik steuert auch meinen materiellen Körper und verbindet mich so ganz handfest mit der Welt, von der ich in keiner Weise abgehoben bin.
  • Ich erhalte ein neues Denk- und Wahrnehmungssystem, das natürlich meine Außenwelt verändert, das die „ganze Welt“ verändert.

Der solcherart definierte spirituelle Mensch (der jegliche Vorstellung abgegeben hat, er wüsste etwas, was andere nicht wüssten), wird in seiner neuen Erkenntnisstufe zum seelengesteuerten Menschen. Der Intellekt wird zur höchsten menschlichen Macht der Seele, weil der Intellekt das Göttliche nun erfassen kann (soweit er es kann).

Wir benötigen also unseren Geist, um unsere innere Welt zu registrieren, um unsere subjektiven Wirklichkeiten zu spüren, um unsere intuitive Wahrnehmung zu spüren, um das Tor unserer sichtbaren Welt zu durchschreiten. Wir benötigen unseren Geist, um die uns bekannte Welt zurückzulassen, damit das Erlebnis wirklicher Religion beginnen kann.

Es ist unsere Verpflichtung der Mutter Erde gegenüber und den uns Nachkommenden gegenüber, dieses Wissen weiterzugeben, froh und aktiv und unter dem Einsatz eines geschärften Geistes. Ich weiß:

  • Echtes Wissen, also tatsächliches Verstehen (soweit dies mir zugänglich ist), braucht sich nicht als kompetent darzustellen. Ich weiß und ich bin; ich brauche niemanden darauf aufmerksam zu machen.
  • Wissen und Verstehen äußert sich in meinem Wesen, in meinen Wesensäußerungen, in meinen Handlungen.
  • Ich kann niemals durch mein Wissen überzeugen, ich kann niemals durch meine Argumente überzeugen, ich kann nur durch meine Gegenwart überzeugen, dadurch dass ich bin, wie ich bin.

Wenn ich so weit in meiner Entwicklung gelangt bin, dann kann ich die nächste Stufe erreichen, dann kann ich jenes Tor durchschreiten, das mich zum intuitiv Wissenden macht.

Auf dieser Stufe benutzt der Erkennende sein Denkvermögen, um sich von diesem zu entfernen.

Das hier dargestellte Verstehensbild nimmt dem Intellekt seinen ersten Platz (nach seiner Neuordnung hin zum kosmischen Aspekt) und weist ihm (dank dieser Neuordnung) den zweiten zu. Die nun freiwerdende erste Stelle übernimmt die Intuition! Sie liegt in der Hierarchie über Instinkt und Intellekt. Intuition ist Intelligenz (des Kosmos), die ihren Weg zu mir gefunden hat.

Intuition ist das schlagartige Erkennen, das plötzliche Auftauchen einer Wahrheit, einer Wirklichkeit, ein unmittelbares Erfassen, unabhängig von jedem Denken. Intuition kommt nicht aus dem persönlichen Unbewussten, sie ist eine Qualität des Überbewusstseins, des morphogenetischen Feldes, des göttlichen Wissensspeichers.

Das Wesen der Intuition ist Seelenerkenntnis (die ja kosmische Erkenntnis ist), die durch die Lücken im Denkgewirr hindurch in das bereit stehende Gehirn einfließt. Intuition ist Inspiration, ist schlagartig eintreffender göttlicher Geist, ist angekommene Seelenerkenntnis („Realisation des Atman“). Durch die Inspiration kann ich das Leben lesen (und dann leben) wie es tatsächlich ist.

Bei mir angekommen und als eigenes, inneres Wissen gespeichert, begründet die Intuition meine neuen Ausdrucksformen für das Handeln in der äußeren Welt.

Leben in Inspiration heißt, dass ich in der Regel einen schmerzhaften Weg hinter mir habe und in großer Ruhe und Gelassenheit die äußerlichen Aufgeregtheiten des Lebens sehe und erkenne, sie aber nicht mehr als für mich relevant erachte. Ich kann großzügig sein, echtes Mitgefühl entwickeln, kann verzichten, kann geduldig sein, habe große Entschlusskraft und Energie, schweige und werde gleichmütig.

Gerade der Gleichmut ist für uns rastlosen Menschen des Westens so wichtig! Ich erkenne das was ist, bewerte nicht, lasse es sprechen und mische mich nicht ein, auch wenn es noch so hässlich ist. Ich lasse das Leben geschehen und trage keines anderen Last mehr. Werde ich selbst betroffen (oder diejenigen, für die ich Verantwortung trage), dann wird durch meine hohe Energie die Entschlusskraft mobilisiert, die mich zum richtigen Handeln führt.

Es wäre ein Irrtum zu meinen, dass durch Gleichmut der scharfe Verstand ausgeschaltet würde, – er ist in seiner Ruhestellung immer und jederzeit blitzartig aktivierbar und dient mir als unschätzbare Hilfe.

Durch die Kombination Seelenenergie und Verstand bin ich mein eigener Meister, mein eigener Guru, mein eigener Christus, mein eigener Buddha. Ich kann wie diese, an das Universum angekoppelt, unter alten Bäumen sitzen und hinter die Erscheinungsformen schauen: Die tief eingegrabenen Mundwinkel der Menschen sprechen zu mir, der vorgebeugte Oberkörper spricht zu mir, der höhnende Blick spricht zu mir, das grelle Lachen spricht zu mir. Aber auch das Rauschen der Blätter, das Zirpen der Grillen, das Rot der aufgehenden Sonne und das Trommeln der Regentropfen: Jede Erscheinung spricht zu mir. Ich lasse geschehen und hinterfrage mein physisches Leben, mein emotionales Leben, mein mentales Leben. In hellwachem Zustand übe ich Gleichmut.

Es sieht tatsächlich so aus, als hätte der uns steuernde Geist in unserem Gehirn einen kleinen Abdruck, eine Mini-Replik seiner selbst geschaffen, als hätte er über unserem Zellsystem sozusagen eine Mini-Steuerungs-Anlage installiert: Die große göttliche Steuerungsanlage mit dem ausführenden Medium, dem morphogenetischen Feld, umfasst alle Seins-Manifestationen. Unsere kleine neurologische Anlage mit seinen Bewusstseinsinhalten dient gewissermaßen der Eigensteuerung und lässt die Erkenntnis zu, dass es dieses alles umfassende göttliche Geistfeld gibt.

Leiten wir uns selbst, bis hierher, zu dieser prinzipiellen Erkenntnis, dann ist der nächste, entscheidende Schritt nicht weit, der uns aus der scheinbaren Zerrissenheit unserer Existenz herausführt: Wir sind Mitspieler und Teilhaber jener alles umfassenden Gottesstruktur, wir gehören zu ihr wie der Finger an meiner Hand zu mir gehört. Wir sind nicht die Kinder Gottes, wir sind ein Aspekt Gottes, eine Ausdrucksform von ihr, wir sind Element und Seins-Teil seiner (für uns nicht fassbaren) Pläne.

Wenn wir unser dummes und sowieso nicht vorhandenes Ich aufgeben, uns nicht mehr gegen alles Fließende, gegen alles Kommende und Gehende stemmen, und nur noch das verändern wollen, was wir tatsächlich können, nämlich uns selbst, dann ist jener Friede so nahe, nach dem wir alle so große Sehnsucht haben. Die Vertreibung aus dem Paradies, jener kosmische Unfall wäre überwunden! Wir erleben uns mit diesem neuen (uralten) kosmischen Bewusstsein nicht mehr getrennt, nicht mehr von allen anderen Wesen, nicht mehr von der Erde, nicht mehr vom Universum. Wir spüren mit jeder Körperzelle, dass wir EINS sind.

Dass wir, wenn wir bis zu dieser Erkenntnis gelangt sind, vielen als Narr erscheinen werden, ist kein Thema mehr. Es gibt keine Verwicklung mehr zu Meinungen oder Ansichten.

Wir wissen: Alle Gier, aller Hass und alle Illusionen entstehen letztendlich aus der Angst vor dem Tod, aus der Angst eines scheinbar seienden Individuums vor dem Fall ins Nichts.

Wir wissen aber auch: Hinter jeder charakterlichen Deformierung, hinter jeder Panzerung, inmitten jeder erkalteten Person ist irgendwo der originäre Mensch und seine so verletzte Psyche mit ihrer Sehnsucht nach Einheit verborgen, da können auch keine Nadelstreifen, keine schwarzen Limousinen und keine sonstigen Darstellungen täuschen. Im Gegenteil – der Schrei nach Liebe und Geborgenheit ist unüberhörbar im Kerker der Kälte.

Ich weiß: Meine mir zugeordneten und heute sichtbaren energetische Strukturen waren schon da, lange bevor ich geboren wurde und werden sein nachdem ich gestorben bin. Als energetische Struktur war ich und werde ich sein, so lange zumindest, wie unsere Sonne mit ihren Strahlen mit allem was da ist kommuniziert. Was also sollte mir Angst machen? Weshalb sollte ich nicht ruhig, zufrieden und gleichmütig allem ins Auge schauen, das da auf mich zukommt? Ein weites Ziel! Ob ich es erreichen werde?

Quellenangaben/Erläuterungen
(1) Janus, Ludwig: „Wie die Seele entsteht“, dtv1993, S. 146
(2) Grof, Stanislav: „Geburt, Tod und Transzendenz“, rororo 1993, S. 45
(3) Zitiert nach: Kupfer, Karl-Heinz: „Kosmische Energien“, S. 90
(4) Capra, Fritjof: „Das Tao der Physik“, Knaur 1997, S. 303
(5) Steiner, Rudolf: „Ein Weg zur Selbsterkenntnis des Menschen – Die Schwelle der geistigen Welt“, 7. Auflage 1982, S. 97

Text: Walter Häge

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