Weihrauch: Zusätzliche Hilfe bei Colitis ulcerosa?

Bei der Behandlung von chronischen Darmentzündungen setzen einige Ärzte Weihrauch als zusätzliches Therapeutikum ein. Dr. Henning Gerhardt von der Universitätsklinik Mannheim konnte in Studien bei Morbus-Crohn-Patienten positive Effekte nachweisen. Hilft Weihrauch auch bei der Schwesterkrankheit Colitis ulcerosa? Wissenschaftlich fundierte Belege stehen noch aus.

Das Weihrauchharz (Olibanum) stammt aus Bäumen der Gattung Boswellia (Weihrauch). Ähnlich wie bei der Gewinnung von Kautschuk werden an Stamm und Ästen des Weihrauchbaumes Schnitte gesetzt, um das flüssige, weiße Harz zu gewinnen; trocknet es, erhält es seine typische karamell-gelbe Farbe. Der Weihrauchbaum wächst unter anderem am Horn von Afrika, in Arabien und Indien.

Die Wirksamkeit des Weihrauchs hat eine lange Tradition 

Weihrauch ist Bestandteil der katholischen Lithurgie. Weihrauch wird als Medizin bereits auf einem 3500 Jahre alten Papyrus erwähnt. Auch in der traditionellen indischen Heilkunde (Ayurveda) findet das Harz des indischen Weihrauchbaumes (Boswellia serrata) schon seit Tausenden von Jahren Anwendung. Besonders bei der Behandlung von Entzündungen werden dem Weihrauch heilende Wirkungen zugeschrieben. In Europa geriet das Naturheilprodukt gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch die Entwicklung zahlreicher chemischer Wirkstoffe immer mehr in Vergessenheit. Erst in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts entdeckte man seine Heilkraft wieder.

Positive Effekte bei Morbus-Crohn-Patienten

Besonders bei chronischen Entzündungen wie der rheumatoiden Arthritis, dem Morbus Crohn oder der Colitis ulcerosa setzen einige Ärzte den Weihrauch als komplementäres, also zusätzliches Therapeutikum ein. Am Universitätsklinikum Mannheim haben Dr. Henning Gerhardt und Kollegen von 1997 bis 2001 in einer Studie1 untersucht, ob Weihrauch Morbus-Crohn-Patienten helfen kann: Hierfür kam Weihrauch-Extrakt (Boswellia serrata; H15) eines indischen Herstellers zum Einsatz. Dieser Extrakt wurde mit Mesalazin hinsichtlich Wirkung und Sicherheit verglichen. Mesalazin (5-Aminosalicylsäure) ist eines der Standardtherapeutika bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.

In einer randomisierten Doppelblindstudie mit 102 Morbus-Crohn-Patienten wurde 44 Personen Weihrauch gegeben. 39 Patienten erhielten Mesalazin. 19 Patienten haben die Studie nicht zu Ende geführt. Bei allen Teilnehmern wurde zu Beginn der Studie und am Ende der Behandlung mithilfe des sogenannten Crohns Disease Activity Index (CDAI) der Schweregrad der Erkrankung festgestellt. Diese Anfangs- und Endwerte wurden innerhalb der Gruppe miteinander verglichen. In beiden Gruppen ging die Aktivität der Erkrankung im Verlauf der Studien deutlich zurück. Die Schlussfolgerung der Mannheimer Wissenschaftler: Der Weihrauch-Extrakt war in den Studien dem Mesalazin in seiner entzündungshemmenden Wirkung nicht unterlegen.

Weihrauch bei Colitis ulcerosa: keine generelle Empfehlung

Neben den Studien an Morbus-Crohn-Patienten hat Dr. Gerhardt seit 1993 auch über 1.000 Colitis-ulcerosa-Patienten mit dem Weihrauch-Extrakt behandelt. Meist wird die Therapie einer chronischen Darmentzündung mit Standardmitteln wie Mesalazin, Kortison (Glucocorticoide) oder Immunsuppressiva begonnen. Patienten erhielten zusätzlich zu den herkömmlichen Medikamenten dreimal pro Tag zwei Tabletten (400 mg) des  Weihrauch-Extraktes des indischen Herstellers. „In der Regel“, erklärt Dr. Gerhardt, gelang es, „die Glucocorticoid-Therapie mit ihren zahlreichen Nebenwirkungen auszuschleichen“. Bei Colitis-ulcerosa-Patienten stellten sich nach ein bis zwei Monaten der Behandlung die ersten positiven Effekte ein. Dr. Gerhardts Erfahrung nach sprechen circa 70 Prozent der Patienten auf das Weihrauch-Präparat an.  Als Nebenwirkungen traten Geschmacksproblemen, Allergien und außerordentliche Müdigkeit auf. Kam es zu akuten Schüben, wurde zunächst die Dosis des Weihrauchs erhöht. Half auch das nicht, musste über drei bis fünf Tage auf einen Kortisonstoß zurückgegriffen werden.  Obwohl die Erfahrungen von Dr. Gerhardt mit Weihrauch durchaus positiv sind, gibt es noch zu wenige gut fundierte wissenschaftliche Untersuchungen, die die Wirksamkeit bei Colitis ulcerosa belegen. Daher kann derzeit noch keine generelle Empfehlung ausgesprochen werden, das Harz als komplementäres Arzneimittel bei Colitis ulcerosa einzusetzen. Momentan lägen zu wenige gesicherte Erkenntnisse vor, um besonders schwere Schübe „primär mit Boswellia zu therapieren“, erklärt Dr. Gerald Messer, Leiter der Autoimmun-Sprechstunde an der Dermatologischen Klinik der LMU in München. Der Mediziner sieht das Weihrauch-Präparat aber durchaus als eine mögliche „unterstützende Maßnahme“ in leichteren Fällen. Darüber hinaus ist es wichtig, auf die Qualität der Weihrauchprodukte zu achten. Die Mittel, die die Mannheimer Wissenschaftler anwendeten, wurden regelmäßigen Qualitätskontrollen unterzogen. Andere Aufbereitungen sind auf dem freien Markt in zahlreichen Variationen erhältlich und lassen hinsichtlich der Qualität oft zu wünschen übrig. So können „verunreinigte Weihrauchpräparate zu Intoxikationen“ führen, warnt Dr. Gerhardt.

Wie hilft das Harz? 

Das Harz des indischen Weihrauchbaums Boswellia serrata

Derzeit geht man davon aus, dass die Boswelliasäure, die im Weihrauchharz enthalten ist, für die therapeutische Wirkung verantwortlich ist. Bei Entzündungsreaktionen, wie sie bei der Colitis ulcerosa im Körper auftreten, spielt das Enzym Lipoxygenase eine wichtige Rolle. Die Lipoxygenase ist an der Bildung von sogenannten Leukotrienen beteiligt. Diese Stoffe halten chronische Entzündungen im Organismus aufrecht. Die Boswelliasäure aus dem Weihrauch hemmt die Lipoxygenase. Dadurch entstehen weniger Leukotriene. Das hat wiederum zur Folge, dass die Entzündungssymptome nachlassen. Herkömmliche Schmerzmittel wie Diclofenac wirken auf sehr ähnliche Weise. Allerdings wird vermutet, dass Weihrauch erst als heterogenes pflanzliches Vielstoffgemisch (Gerbstoffe, Öle) seine Wirkung entfaltet. Chemisch isolierte Boswelliasäure zeigte nicht dieselben Effekte wie natürlich gewonnener Weihrauch.

Nur unter ärztlicher Aufsicht

Patienten mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, die Weihrauch als ergänzendes Arzneimittel anwenden wollen, sollten sich an einen Arzt wenden, der Erfahrung mit dieser Art der Therapie hat.

1 Gerhardt H et al: Therapie des aktiven Morbus Crohn mit dem Boswellia-serrata-Extrakt H15. Z Gastroenterol 2001; 39: 11-17

Quelle:
vitanet.docmed.tv

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