Intuition, die tatsächliche Intelligenz

Die Begriffe „Intelligenz” und „Verstand” (oder „Intellekt”) benennen nicht das Gleiche und sind nicht das Gleiche. Dass Intelligenz und Verstand ein und das selbe seien, will man uns weismachen, seit wir ab dem Kindergarten den Pfad des Lernens betreten haben. Durch die Schule und gar durch die Universität wird dieser grundsätzliche Irrtum zementiert.

„Intellekt” oder „denkender Verstand” ist der Gegenpol von Intelligenz.

Was ist Intelligenz? Es ist die naturgegebene Fähigkeit etwas wahrzunehmen wie es tatsächlich ist. Es ist etwas Natürliches wie der Atem oder die Sehkraft. Intelligenz ist das innere Wissen eines jeden Lebewesens. Jeder Baum ist intelligent, jedes Tier. Die Erde insgesamt ist Intelligenz. Der Kosmos ist Intelligenz. Für uns Menschen ist Intelligenz die innere Fähigkeit zu sehen.

Intelligenz ist mein Identitätswissen, ist mein mitgebrachtes kosmisches Wissen, ist das Wissen, das sich durch Intuition manifestiert: es kommt ganz tief aus mir selbst und braucht niemanden, aber auch gar niemanden, der es mir beibringt. Das Ergebnis von Intelligenz ist Weisheit.

Intelligenz ist Geist. Denkender Verstand ist die Software des Gehirns. Mein Geist und mein Gehirn sind zweierlei. Das Gehirn ist der Mechanismus, dessen sich mein Geist bedient, indem er den analytischen Verstand benutzt.

Wunschdenken ist unsere normale Denkform. Ich will etwas haben oder nicht haben, ich will etwas sein oder nicht sein. Meist lehne ich ab, was sich im Außen ergibt, weil es mit meinen Wunschvorstellungen nicht übereinstimmt. Wenn ich einer Sache, einem Vorgang zustimme, dann verspreche ich mir in der Regel einen Vorteil davon. Dies ist das Leben in welchem die Reflexe mein Dasein bestimmen.

Analytisches Denken in den Nicht-Gier-Kategorien ist die höhere Denkform, welche das Reiz-Reaktions-Verhalten hinter sich gelassen hat und autonom nach ethischen Gesichtspunkten eine Sache angeht. Gibt es im Wunschdenken allein das Ich, so ist im spirituell-analytischen Denken das Ich in „Alles-was ist“ eingegliedert: es sieht das Ganze und verhält sich entsprechend.

Beide Denkarten haben ihre Heimat im Bewusstsein, das sich seit der Zeugung individuell entwickelt hat. Meine Erfahrung aus dem was heute geschieht, kombiniert mit meinem Erfahrungsspeicher bestimmen die Denkinhalte.

Neben diesen Impulsen, die an meine materielle Erscheinungsform gebunden sind (Gedanken gehören grundsätzlich zur Materie), gibt es eine kosmische Impulsform, die wir alle kennen, die Eingebung oder Intuition. Als „Bauchgefühl“, das aus dem „Bauchhirn“ kommt und mir gegen meinen Verstand einen Impuls gibt, ist dieses Eindringen der Nachricht aus dem kosmischen Wissensspeicher durchaus weit bekannt. Die Alten sagten, dass etwas erst „in den Bauch rutschen muss“, um es zu verstehen. Oder: „Das muss vom Kopf in den Bauch.“

Wo kommen diese Impulse her, die mit starker Kraft zwischen zwei einzelnen Gedanken hindurchjagen und mich so stark treffen können, dass ich dies manchmal sogar körperlich (im Bauch!) spüren kann? Sie kommen aus dem innersten Kern meines Bewusstseins, den nicht mehr individuell ist, sondern der Urgrund alles Seins. Diese Impulse kommen aus dem Gesamtpotential (mindestens) der Menschheit. Sie kommen aus jener Gesamtintelligenz, in welcher alles gespeichert ist, was jemals war – und, es könnte sein, – in welcher alles gespeichert ist, was jemals sein wird. Daraus erhalte ich Informationen für die Gestaltung meines weiteren Lebens.

Das muss tief verstanden werden: Alle Gedanken, die je ein Mensch dachte und denken wird, sind bereits vorhanden und werden nur abgerufen. In meinem kleinen Neuronenapparat sind diese natürlich neu, aber nur dort. (1)

Die beiden genannten Denkformen des „gemeinen homo sapiens“ sind in jedem Menschen individuell und entsprechen dessen Lebenserfahrung. Entsprechend sind auch die neuronalen Verknüpfungen egobezogen. Es ist für den verbogenen, entmündigten modernen Menschen unvorstellbar, ohne fremde Hilfe Antworten auf die Herausforderungen des Lebens zu finden. Das gehandelte, akzeptierte Wissen besteht aus (zum Teil Jahrtausende alten) Fehlinformationen, die meinen geistige Horizont begrenzen – und aus Selbsttäuschung.

Die Botschaften von außen, die ich verinnerlicht habe, sie sind falsch! Sie sind für mich grundsätzlich falsch, eben weil sie von außen kommen.

Beginne ich in der Intuition zu leben, dann werden meine Neuronen quasi umgeschaltet oder neu geschaltet. Ich erhalte neue Informationen, die mich geistig weiterentwickeln. Diese entfalten sich spontan, da meine Erfahrung (mein Erfahrungsspeicher) nicht beteiligt ist.

Der Umsetzungspunkt dieser Informationen in neues Tun ist eine neue Verantwortungsbereitschaft für das Lebendige. Die Verantwortlichkeit ist nicht mehr allein auf mich und vielleicht noch meine Familie eingegrenzt, sondern erweitert sich hin zu allen Wesen.

Das, was an Zellveränderung im Gehirn stattfindet, ergießt sich in das gesamte Körpersystem. Die Neurobiologie hat entschlüsselt, wie neue Gedanken die Materie verändert. Aus kranken Zellen werden durch Neu-Information gesunde Zellen!

Die Merkmale von Intuition, Inspiration oder Eingebung sind Spontanität und Kreativität, ohne den Erfahrungsspeicher bemühen zu müssen. Hier hat der Wille wieder jene Freiheit, von der so viel irrtümlich die Rede ist: Ich selbst entscheide, ob das mir Zufließende erkannt werden will, um dann in Handeln umgesetzt zu werden.

Diese Handlungskraft fragt nicht mehr nach Vorschriften, nach Geboten, nach Gesetzen, nach Autoritäten, denn die spontane Kraft des Kosmos ist Gesetz und Autorität Kraft ihres Vorhandenseins. Wie realisiere ich die Intuition? Indem ich mich auf mich selbst verlasse, – in allen Dingen und ausschließlich. Mein eigenes Bewusstsein ist mit dem Bewusstsein der All-Einheit, des Urgrundes, identisch, also gibt es keine Instanz außerhalb meiner selbst, die für richtig oder falsch zuständig wäre.

Diese neue Lebensform verniedlicht nichts und hat mit „positivem Denken“ nichts gemein, – sie ist das Wagnis, das eigene Herz weit zu öffnen.

Im normalen Verletzungsdenken heißt „das Herz öffnen“ verletzlich zu sein. Hier ist genau das Gegenteil der Fall: Je mehr ich offen für alles Lebendige werde, desto unverletzlicher werde ich; wer sollte mir etwas anhaben können, wenn ich frei bin von aller Knechtschaft?!

Wenn wir „Intuition“ sagen, dann haben wir vielleicht vergessen, dass diese relativ neue Begriffsbildung ein Synonym für jenen uralten Begriff ist, den man Instinkt nennt. Der Mensch in seinem Wahn von Allmacht hat nun den Instinkt als etwas Niederes den Tieren zugeordnet und für sich selbst die göttliche Zuordnung höherer Gedanken und Handlungsweisen reserviert. Die Hybris des homo sapiens ist grenzenlos irreal!

Warum fällt niemals ein kleiner Vogel aus seinem Nest, es sei denn, er wird mit Gewalt über den Rand geschubst? Er hat das innere Wissen, dass dies nicht zuträglich für ihn ist. Natürlich weiß das kleine Vogelkind nicht, was Tod ist, aber er spürt die enorme Gefahr, und das genügt. Dieses Spüren ist inneres Wissen, ist die intakte Ankoppelung an die All-Einheit, welche in diesem Fall ‚hohe Gefahr‘ signalisiert. Alle Körperzellen wissen das und sorgen für Sicherheit.

Dies genau ist Intuition: Ich weiß, ohne ein überlegendes Großhirn bemühen zu müssen. Auf diese Art findet jener Vogel, erwachsen geworden, als Zugvogel nach Afrika und wieder zurück. Er vertraut „blind“ seiner inneren Führung. Das, was wir ahnungslosen und dummen Menschen „blind“ nennen, ist höchste Intelligenz, welche vom allumfassenden Speicher gelenkt wird.

Als Mensch realisiere ich eine Intuition als ein blitzartiges Erkennen einer Chance, die ich ergreifen kann. Es ist immer „ein Top-Angebot des Himmels“, welches mich erreicht. Es ist jenes kosmische Fenster, das sich in der Regel nur kurz auftut, um hindurchschlüpfen zu können.

Mit dem Erkennen der Intuition hole ich mir meinen verloren geglaubten Instinkt zurück und arbeite mit ihm. Ich hole mir meinen verlorenen geglaubten siebten Sinn zurück und erspüre damit Dinge, bevor sie sich tatsächlich realisieren. Und ist das Kind bereits in den Dreck gefallen, dann eröffnen sich mir Strategien, es da herauszuholen. Ich begreife auf einmal das, was Laotse im 64. Vers seines Tao te king sagt:
Man muss auf eine Sache einwirken, bevor sie entsteht. Man muss eine Sache ordnen, bevor sie verwirrt ist. Was noch nicht hervortritt, lässt sich leicht bedenken.

Die Erkenntnis aus dem großen Speicher, dieser Erkenntnis-„Schlag“ ist Intelligenz. Meine Aufgabe ist es nun, diese Intelligenz in jenes zügige Handeln umzusetzen, das weder diskutierbar, interpretierbar oder gar in Frage zu stellen ist. Dazu bedarf es meines klaren, ungetrübten Geistes. Und dieser benötigt seine Freiheit von allen heimlichen Ängsten.

Jeglicher Eingriff des grübelnden Verstandes oder des Vorteilsdenkens verwässert und verdünnt die Intuition und nimmt ihr die Kraft. Immer, wenn ich mir vornehme zu gewinnen, um in irgendeiner Form mehr zu sein als die anderen (im Materiellen wie im Religiösen wie im Spirituellen), verabschiede ich die Intuition und mein siebter Sinn verschließt sich.

Umgesetzt in tägliches Handeln ist Intelligenz

  • den tatsächlichen Inhalt und die Bedeutung einer Sache zu kennen.
  • die Verursachung einer Sache erkennen.
  • eine Sache zu verstehen, nicht diese zu wissen.
  • die Motivation dahinter erkennen.
  • in Kreisläufen denken.
  • sich selbst zu lieben, zu erhalten, zu fördern und weiterzuentwickeln.
  • hinter den (gesellschaftlich festgelegten Sinn) eines Begriffes zu blicken.
  • alles Handeln, das dem Lebendigen dient und diesem förderlich ist.
  • Liebe. Im Sinne Buddhas: Grundsätzliches Wohlwollen allem Lebendigen gegenüber.

Umgesetzt in tägliches Handeln ist Intelligenz Liebe.

Erläuterungen
(1) Die Neue Physik sagt uns, dass wir heute bereits (mindestens) im 3. Universum leben würden. Dieses hat sich aus dem zusammenstürzenden 2. Universum entwickelt, dieses aus dem 1.. Eingesogen in schwarze Löcher wurde jeweils jedwede Information, aus welcher sich dann das neue Universum gebildet hat. Nach dieser Theorie wächst mit jedem neuen Universum dessen Gesamtintelligenz durch die Erfahrung in der Zeit. Natürlich könnte alles komplett anders sein, aber dies alles ist nicht wirklich relevant für mein Leben.

Text: Walter Häge

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